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Interview23.06.2016

Auch in Österreich wird das Radio visuell

Warum das Ping-Pong-Spiel zwischen Radio und Online eine große Herausforderung in den Redaktionen bleibt

Matthias Schönauer ist Leiter der Multimediaproduktion, Sendungsgestalter, Moderator und DJ Quelle: ÖSTERREICHISCHER RUNDFUNK, ORF Matthias Schönauer Leiter der Multimediaproduktion ÖSTERREICHISCHER RUNDFUNK, ORF
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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"Radiosender machen immer mehr so etwas ähnliches wie Fernsehen", sagt Matthias Schönauer, Leiter der Multimediaproduktion beim ORF, Sendungsgestalter, Moderator und DJ. Er verantwortet die legendären FM4-Musikspezialsendungen in unserem Nachbarland und präsentiert als "DJ Functionist" die tägliche Sendung FM4 Unlimited. Ganz klar, auch in Österreich wird das Radio visuell.





Webcam im Studio, Clips von Gästen – welche visuellen Inhalte braucht das moderne Radio heute und in Zukunft?
Klassische statische Webcams werden oft ersetzt durch aufwändigere Videosysteme, die das Geschehen im Radiostudio mit mehreren Kameras streamen, dazwischen werden oft Musikvideos gespielt; Radiosender machen somit so etwas ähnliches wie Fernsehen. Für FM4 ist das in dieser Form aus mehreren Gründen derzeit kein Thema. Programmbegleitende Videos machen wir bei Highlights und Radioevents oder um besonders spannende Statements von Gästen zu unterstreichen und auf Facebook zu posten. In Zukunft wird die visuelle Ebene noch wichtiger werden, einerseits aus simplen Designgründen - wenn es um die Gestaltung der verschiedenen Ausspielwege geht, beispielsweise in Apps, in denen Videoclips oder einfach Plattencover Thema sind; andererseits beginnen viele Sender eigene Videoinhalte zu kreieren, experimentieren mit Snapchat oder vernetzen sich mit Videoblogs.

BBC-Moderator Greg James bricht mit einem Video mit Talyor Swift gerade Click-Rekorde. Welche besonderen Videoformate gibt es in Ihrem Hause?
Mit Superstars und der Reichweite der BBC hat man relativ gute Voraussetzungen dafür, Rekorde zu brechen. Unser erfolgreichstes Video hat immerhin 1,6 Millionen Views: Die Siegerin des FM4 Protestsongcontests, Sarah Lesch, hat mit ihrem Song heuer im Frühjahr den Nerv einer Zielgruppe im gesamten deutschsprachigen Raum getroffen. Videos und sogar Fernsehübertragungen der Veranstaltung (Kooperation von FM4 und dem Rabenhof Theater Wien) gibt es aber bereits seit vielen Jahren. Ein schönes Beispiel dafür, dass die Inhalte, Texte und Geschichten wesentlich für den Erfolg sind. FM4 lädt regelmäßig österreichische Bands zu Studio Sessions ein, und auch viele FM4 Radio Sessions mit internationalen Acts finden den Weg auf DVD oder ins TV. Jüngstes Experiment im Sendestudio war im April der FM4 Playground, eine audiovisuelle Session, bei der DJs gemeinsam mit Visual Artists eine mehrstündige Sendung gestaltet haben. Zu hören im Radio und zu sehen im Videostream auf unserer Website http://fm4.ORF.at. Radio Visuals statt Visual Radio sozusagen.

Nutzen Sie Meerkat, Periscope oder ähnliche Streaming-Apps – und wenn ja für welche Übertragungen?
Wir nutzen unsere eigene Website und gelegentlich Facebook für Livestreams - ergänzend zum Radioprogramm. Facebook bietet eine Spontanität, die sich wie Radio anfühlt; Meerkat und Periscope stehen derzeit weit hinter Facebook, was unsere Community betrifft.

Der neuste Social-Media-Hype ist der Versand von Bildern oder Clips über Snapchat. Wie ist Ihr Haus auf Snapchat unterwegs?
Viele uns nahestehende KünstlerInnen und MitarbeiterInnen bringen ihre persönlichen Erfahrungen mit Snapchat in den kreativen Prozess des Senders ein oder zitieren Snaps im Radio oder in anderen Social Networks. Wir haben viele Ideen und denken über eine passende Nutzung nach. Wünschenswert wäre eine Kooperation mit Snapchat, weil wir Radiomenschen diese Art der Geschwindigkeit und den direkten Kommunikationsstil gewohnt sind. Verschiedene große Medienhäuser von CNN bis Vice bereiten ihre Inhalte für Snapchat auf und versuchen die perfekte Verbindung von unterhaltsamem Design und pointiertem Inhalt; meiner Wahrnehmung nach geht dieses Schlagwort-Storytelling aber eher selten über ein Teasing hinaus.

Wie muss sich die Ausbildung von Radiojournalisten für die Produktion multimedialer Inhalte künftig ändern?
Wenn man RadiojournalistInnen will, dann sollte man sie auch als solche ausbilden. Und im nächsten Schritt den Fokus auf ein Multiplattform-Programming richten. Dort, wo multimediale Inhalte rasch erstellt werden, stehen meistens gut eingespielte Teams dahinter, mit entsprechender Kompetenzverteilung und Schwerpunkten, von Grafik über Video bis zur Programmierung. Die Teamarbeit und das Ping-Pong-Spiel zwischen Radio und Online sind große Herausforderungen an die Redaktionen. Grundkenntnisse oder zumindest Neugier an Kameras, Apps und innovativem online Storytelling gehören daher immer mehr zum Profil des/der RadiogestalterIn.

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