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Kolumne

„Wir stehen als Hersteller einer langen Digitalisierungsphase kritisch gegenüber“

Kolumne von Thorsten Godulla, Geschäftsführer der JVC Deutschland GmbH und Geschäftsführer der Kenwood Electronics Deutschland GmbH

Thorsten Godulla, Geschäftsführer der JVC Deutschland GmbH und Geschäftsführer der Kenwood Electronics Deutschland GmbH Quelle: Kenwood Electronics Deutschland GmbH Alexander Hiller Redakteur Meinungsbarometer.info 22.06.2014

Bei der Umstellung vom analogen auf den neuen digitalen Rundfunkstandard DAB+ fällt dem mobilen Einsatzbereich – und hier insbesondere dem Automobil-Nachrüstmarkt - eine entscheidende Rolle zu: denn nirgendwo sonst wird so viel Radio gehört wie im Auto. Hier spielt auch die im Heimbereich gerne beschworene Programmvielfalt der Internetradiodienste keine wirkliche Rolle, denn bei längeren Strecken und hohen Geschwindigkeiten kommt selbst der beste Streamingdienst schnell ins Stolpern. Für den Hörer im Fahrzeug gibt es zu DAB+ keine echte Alternative, wenn manRadio als eigenständiges Medium begreifen möchte.

Angesichts eines PKW-Bestands von fast 44 Millionen Fahrzeugen mit einem Durchschnittsalter von etwa 9 Jahren ist es schon sehr verwunderlich, dass bisher in Deutschland nur so wenige digitale Autoradios nachgerüstet wurden. An der Produktvielfalt kann es nicht liegen, denn DAB+ Modelle gibt es für´s Auto von fast alle Markenanbietern bereits ab knapp über 100 Euro und mit zunehmendem Preis kennt die Ausstattungsvielfalt praktisch keine Grenzen. Und trotzdem will die automobile Digitalisierung nicht recht in Fahrt kommen.

Spricht man mit den Verkäufern im Handel, kommen fast immer die selben Aussagen: der Kunde fragt DAB+ Autoradios nicht aktiv nach, er kennt das Digitalradio-Angebot und dessen Vorteile meist nicht und erst Recht nicht die Möglichkeit der Abschaltung des analogen UKW-Hörfunks. Es fehlt ein breites Bekenntnis aller Beteiligten zu DAB+ und die daraus resultierenden konkreten Maßnahmen zur Bekanntmachung des digitalen Angebots insbesondere auf dem existierenden analogen Verbreitungsweg. Es ist für mich völlig unverständlich, warum mein täglich gehörter Lieblingssender noch nicht ein einziges Mal sein tolles Digitalangebot promotet hat, obwohl hierfür doch öffentliche Fördermittel gewährt wurden. Ebenso unverständlich bleibt, weshalb die Lieblingssender meiner Kids bisher nicht über DAB+ empfangbar sind.

Wir stehen als Hersteller einer langen Digitalisierungsphase kritisch gegenüber. Für das Projekt Digitalradio brauchen sowohl die Automobilindustrie als auch die Anbieter im Nachrüstmarkt Planungssicherheit. Darüber hinaus ist es nötig mit allen Beteiligten über das wie und wann eines Analog-Ausstiegs zu diskutieren. Das sehe ich als eine wesentliche Aufgabe von Politik an, hierfür den angemessenen Rahmen vorzugeben, der alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel festlegt und damit auch die Effektivität öffentlicher Fördermittel gewährleistet.

Das beginnt bei der (Neu-) Vergabe von UKWFrequenzen ausschließlich an Anbieter mit Digitalengagement, zieht sich über die verbindliche Bewerbung und Verbreiterung des digitalen Angebots bis hin zu grenzüberschreitenden Aspekten wie beispielsweise die europaweite Verfügbarkeit sicherheitsrelevanter Verkehrsinformationen (TPEG). Erst wenn alle Beteiligten die nötige Planungssicherheit haben, wird das digitale Autoradio bundesweit in Fahrt kommen.

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