Die Sommer werden heißer, die Winter milder - der Klimawandel hat Auswirkungen auf die Menschen – aber auch auf die Wirtschaft. Vor besonderen Herausforderungen stehen nicht zuletzt die Wintersportregionen. Inzwischen sind selbst in höheren Regionen weniger Schnee-sicher. Viele Gebiete stehen vor großen Veränderungen. Prof. Valentina Ausserladscheider von der Universität Wien beobachtet in der Fachdebatte auf meinungsbarometer.info, dass viele Regionen derzeit stark auf technische Beschneiung setzen. Zusätzlich diversifizieren sie ihr Angebot: „Einerseits wird versucht, die Saison über den Winter hinaus auszudehnen, indem etwa der Bergsommer gezielt ausgebaut wird. Andererseits entwickeln sie Angebote, die weniger stark von Schneesicherheit abhängen – zum Beispiel Winterwandern, Rodeln auf kurzen, gezielt beschneiten Abschnitten oder schneeärmere Nordic-Angebote.“
Gerade in den Alpen seien viele Regionen sind wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängig – und dieser sei in hohem Maß naturbasiert. Ein Ganzjahresangebot könne daher nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn es Natur- und Landschaftsraum schützt und die Nutzung gut steuert, etwa durch Besucherlenkung, passende Infrastruktur und klare Regeln. Aus ihrer Sicht sollte die Ganzjahresstrategie daher eher qualitativ als quantitativ gedacht sein – mit höherer Wertschöpfung pro Gast, statt immer mehr Gäste und immer mehr Druck auf die Natur.
In Kärnten setzt Christian Stattmann, Geschäftsführer der Millstätter See - Bad Kleinkirchheim - Nockberge Tourismusmanagement GmbH, nicht auf kurzfristige Anpassung, sondern eine seit Jahren verfolgte strategische Ausrichtung mit Ganzjährigkeit, klaren Leitprodukte und Qualität vor Quantität. Laut Stattmann versteht sich die Region als Lebens- und Erlebnisraum zwischen See und Berg – mit Angeboten, die weit über den klassischen Skitourismus hinausgehen. „Eine zentrale Strategie ist Mitbewerbung schneeunabhängiger Angebote (zwei Thermen) und saisonverlängernder Angebote.“
Auch Dr. Michael Braun vom Tourismusverband Ostbayern sieht seine Region beim Thema Wintersport schon lange in einem Transformationsprozess. Skigebiete wie der Große Arber und Mitterdorf seien noch sehr schneesicher und können aktuellen Studien zufolge noch gut 20 Jahre dreistellige Schneetage verzeichnen. „Dennoch stellen beide Bergbahnbetreiber auf den Ganzjahresbetrieb um. Am Großen Arber ist dies der neue Bikepark, in Mitterdorf Europas längste Flyline, die im Sommer 2026 eröffnen wird.“ Im Rahmen des Internationalen Projekts Beyond Snow habe man sich – wissenschaftlich begleitet – mit anderen Wintersportregionen ausgetauscht.
So etwas will auch gut kommuniziert sein, Carola Schmidt vom Harzer Tourismusverband berichtet diesbezüglich etwa von einem „Harzer Onlinemagazin“, das regelmäßig aktuelle Angebote, Neuigkeiten und saisonale Highlights in kompakter Form bündelt. Den direkten Kontakt zu harzliebenden Endkundinnen und Endkunden halten ihr Verband über einen monatlichen Harz-Newsletter mit saisonalen Highlights, neuen Angebote sowie Erlebnissen regionaler Partner für konkrete Reiseideen. „Diese von Algorithmen unabhängige Form der Kommunikation stärkt die Gästebindung und fördert Wiederbesuche.“ Mit Blick auf die sozialen Medien nutzt der Verband vor allem die Plattformen Facebook und Instagram um über touristische Neuerungen zu informieren. Außerdem gibt es regelmäßige Podcasts.
Mit Blick auf die Politik fordert Ines Hanisch-Lupaschko vom Tourismusverband Erzgebirge eine klare, auf die Praxis ausgerichtete Unterstützung. Nötig seien etwa die Fortführung und Ausweitung von Förderlinien wie das „Förderprogramm Ganzjahrestourismus“ (SAB) und Fördermaßnahmen für klimafreundliche Modernisierung (z. B. LIFT Klima). „Daneben braucht es Investitionen in nachhaltige Gästemobilität [...] und in die digitale Verkehrsinfrastruktur, damit Zielgruppen auch ohne PKW die Region umweltverträglich erreichen.“ Wichtig sind aus ihrer Sicht auch die Unterstützung von Weiterbildungsmaßnahmen für touristische Betriebe ... sowie die Förderung von Kooperationsprojekten.
Auch Hansjörg Mair von der Schwarzwald Tourismus GmbH mahnt verlässliche Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit an. „Wichtig ist, dass die Politik den Regionen genügend Flexibilität lässt, um eigene Lösungen zu entwickeln, und internationale Marketingaktivitäten unterstützt – denn gerade der Wettbewerb um neue Zielgruppen wird im Klimawandel immer relevanter.“ Grundsätzlich hält er die Genehmigungsverfahren für touristische Outdoor-Infrastruktur jedoch sehr langwierig und oft zu restriktiv. Hier wäre aus seiner Sicht ein pragmatischer, praxisnaher Ansatz seitens der Politik dringend wünschenswert.



