Die Herausforderungen für die Landwirtschaft sind riesig: Klimawandel, knappe Ressourcen und steigende Nachfrage. Digitale Technik und intelligente Technologien können helfen, autonome Maschinen, präzise Bewässerungssysteme und datengesteuerte Analysen versprechen effizientere Ernten und nachhaltigeren Anbau.
Prof. Dr. Christina Umstätter vom Thünen-Institut für Agrartechnologie sieht in der Fachdebatte auf meinungsbarometer.info etwa Sensorsysteme für die Überwachung von Tieren und hochautomatisierte Systeme in der Außen- und Innenwirtschaft sls wichtigste Trends der Digitalisierung in der Landwirtschaft. „Durch neue Technologien, wie beispielsweise virtuelle Zäune, könnte die Weidewirtschaft revolutioniert und dadurch möglicherweise mehr landwirtschaftlichen Nutztieren Zugang zu Weide- und Bewegungsflächen ermöglicht werden“. Diese innovative Technologie könnte aus ihrer Sicht auch genutzt werden, um nicht nur das Tierwohl, sondern auch ökologische Bestrebungen zu unterstützen. Um die Implementierung auf den Betrieben zu ermöglichen, braucht es jedoch eine gesetzliche Anpassung. Und neben den Effekten digitaler Technologien auf die ökologische und die ökonomische Nachhaltigkeit der Produktion verweist sie auch auf die soziale Säule der Nachhaltigkeit, weil digitale Technologien oftmals die Arbeit erleichtern und die Tätigkeit in der Landwirtschaft gerade auch für junge und gut ausgebildete Personen attraktiv machen.
Vor Ort sind smarte Technologien bereits im Einsatz. Die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) berichtet etwa, dass die Digitalisierung in der bayerischen Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren spürbar an Dynamik gewonnen hat. Sie verweist auf die regelmäßigen Erhebungen der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, zuletzt 2025 mit mehr als 1.700 teilnehmenden Betrieben. Danach setzten bereits rund 60 Prozent digitale Technologien ein. In der Außenwirtschaft hat sich die Nutzung GPS-gesteuerter Lenksysteme danach mehr als verdoppelt, der Einsatz von Drohnen sogar vervierfacht. „Das zeigt: Unsere Landwirte sind aufgeschlossen und gehen digitale Transformation aktiv mit“, so Kaniber. Mit dem „Bayerischen Sonderprogramm Landwirtschaft Digital“ unterstütze ihr Haus wir diese Entwicklung. ganz konkret.
Auch Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) sieht die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein bereits gut aufgestellt. „Robotik ist in vielen Betrieben etabliert, insbesondere in der Milcherzeugung, wo automatische Melksysteme den Arbeitsalltag spürbar entlasten.“ Auch Künstliche Intelligenz gewinne an Bedeutung, etwa in der Tierüberwachung, im Ackerbau und bei digitalen Entscheidungshilfen zur Verbesserung des Tierwohls. Allerdings sieht sie die Betriebe unterschiedlich weit in der Anwendung digitaler Technologien. Das zeige sich auch an der Vielzahl an EIP-Agrar-Projekten im Land, die ihr Haus gezielt unterstütze. Sie nennt etwa Drohneneinsatz zur Feldbeobachtung (X-MAS Drones), digitale Anbauplanung im Gemüsebau (Digitaler Gemüseacker), robotische Systeme zur Weidepflege (Robotik auf der digitalen Weide) sowie datenbasierte Entscheidungsunterstützung in der Ferkelerzeugung (ProcessPig). Mit Förderung, Beratung und Vernetzung begleitet das Land nach ihren Worten die Betriebe dabei, diese Technologien praxisnah einzusetzen. Entscheidend ist, dass digitale Lösungen wirtschaftlich tragfähig und anwenderfreundlich sind.
Auch in Thüringen hat eine Umfrage des Landesamts für Landwirtschaft zeigt, dass die Thüringer Betriebe da noch sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Wirtschaftsministerin Colette Boos-John (CDU) verweist auf Roboter in der Tierhaltung, die beispielsweise beim Melken, Entmisten und Futteranschieben helfen - die seien schon seit Jahren etabliert und nichts Neues mehr. In der Bodenbewirtschaftung seien die Betriebe dagegen eher noch zurückhaltend. Feldroboter, die aussäen, KI-basiert Unkraut entfernen oder den Boden bearbeiten, seien bislang äußerst selten zu finden. Sie vermutete, die großen Betriebe vertrauen im Moment eher noch darauf, dass neue automatisierte Funktionen künftig in traditionellen Maschinen integriert werden, wie z.B. Lenk- und Steuerhilfen mittels RTK-GPS oder Vorgewende-Management. „Ich glaube, es wird sehr darauf ankommen, den Bedienkomfort und das Zusammenspiel der digitalen Technologien zu verbessern.“ Aus Gesprächen mit den Landwirten hätten gezeigt, dass ihnen manche Maschinen zu komplex oder dass diese einfach nicht kompatibel mit anderen Technologien sind. Auch die rechtliche Situation sei beim Einsatz von Robotern – beispielsweise Drohnen – mitunter ein Thema.
Die saarländische Landwirtschaftsministerin Petra Berg (SPD) sieht eine enorme Bandbreite, die von hochgradig digitalisierten Betrieben bis hin zu traditionell geführten Höfen reicht. Ob neue Technologien adaptiert werden, hänge dabei stark von der individuellen Betriebsstruktur und der Investitionskraft ab. Digitale Anwendungen insbesondere im Bereich der Entscheidungsunterstützung, wie bei Ausbring- und Applikationszeitpunkten, seien aber bereits etabliert. Sie nenn das saarländische Angebot „LORA-Warn“ als Beispiel, ein hochpräzises Vorhersageradar für Starkregenereignisse, welches perspektivisch in den GeoBoxViewer eingebunden wird. „Damit wird Landwirtinnen und Landwirten ermöglicht, witterungsabhängige Maßnahmen wie Aussaat oder Erntefenster noch exakter zu planen.“
Ihr Amtskollege Ingmar Jung (CDU) setzt bei der Etalierung smarter Technologien auf eine Kombination aus Förderung und praxisnaher Unterstützung. „Wir fördern gezielt Investitionen in digitale Technologien und IT-Anwendungen, aber auch Beratungsleistungen, die den Betrieben helfen, die für sie passenden Lösungen zu finden und sinnvoll in ihre Abläufe zu integrieren.“ Ein wichtiger Punkt sei der Zugang zu Wissen. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und bewährte Strukturen wie die Maschinenringe leisteten hier einen zentralen Beitrag, indem sie Erfahrungen bündeln, weitergeben und konkrete Hilfestellung im Alltag bieten. Zudem müsse sich Digitalisierung rechnen und im Betrieb funktionieren, unabhängig von der Betriebsgröße. Wenn es gelinge, Hemmschwellen abzubauen und den Nutzen sichtbar zu machen, werde sie auch für kleinere Betriebe zu einer echten Chance.
Auch Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) betont: „Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss dem Betrieb nutzen, beispielsweise durch effizientere, kostensparendere Verfahren oder die Entlastung von Arbeitskräften.“ Gerade für die neuesten Technologien liegen aus seiner Sicht dazu oft noch nicht genügend Erfahrungen vor. Hinzu komme, dass in kleineren Betrieben die Spielräume für Investitionen und die erhöhten Anforderungen an das Datenmanagement oft geringer sind. Diese Einstiegshürden könnten aber überwunden werden, indem mehrere Betriebe digitale Lösungen gemeinsam nutzen, sei es über Maschinenringe oder Dienstleister, Schulungsangebote und einfache, herstellerübergreifende Systeme.
Karl Josef Duffner vom LandBauTechnik-Bundesverband betont die Bedeutung eines fairen und sicheren Umgangs mit Maschinendaten und Nutzungsdaten von Land- und Baumaschinen. Denn der Zugang zu Daten könne zunehmend zum Schlüssel für Wartung, Diagnose und Reparatur werden. Genau darin liegt auch die Gefahr wachsender Abhängigkeiten. Deshalb müssen aus seiner Sicht Lösungen gefunden werden, wie das Handwerk im Werkstatt- und Servicebereich weiterhin mit diesen Daten/Informationen arbeiten kann. „Es geht dabei um faire Zugänge auch zu RMI (Reparatur- und Wartungsinformationen), ein EU-regulierter Standard, der unabhängigen Werkstätten den Zugang zu technischen Daten von Landmaschinen ermöglicht. Bei der Datenhoheit geht es daher letztlich um Wettbewerbsfähigkeit und auch um die Zukunft unabhängiger Serviceleistungen.“



