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25.03.2019
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WENN DIE KI ZUSAMMENHÄNGE SIEHT, WO ES GAR KEINE GIBT

Über Chancen und Risiken bei KI-basierten Lernspielen

Prof. Dr.-Ing. habil. Christof Rezk-Salama, Professor für Spieletechnologie, Studiengangsleiter Digitale Medien und Spiele – Hochschule Trier

Prof. Dr.-Ing. habil. Christof Rezk-Salama, Professor für Spieletechnologie, Studiengangsleiter Digitale Medien und Spiele – Hochschule Trier [Quelle: HS Trier]


Bei Serious Games sieht der Forscher Prof. Dr.Christof Rezk-Salama "Potentiale, durch KI das Spiel zur Laufzeit individuell an die Auffassungsgabe des Spielers anzupassen." Allerdings müssen diese seiner Ansicht nach erst noch erfolgreich gehoben und evaluiert werden.


KI ist der große neue Trend bei Serious Games – welche Chancen sehen Sie in KI-gestützten Technologien für die Branche?
Serious Games ist ein weitgefasster Begriff und umfasst Lernspiele für den Schulunterricht, aber auch Spiele für Unternehmen oder Motivational Games, die Aufmerksamkeit für Themen wie zum Beispiel Umweltschutz generieren sollen. Künstliche Intelligenz gehört seit vielen Jahren zu allen Formen von Spielen dazu, daher sehe ich das gar nicht als so neuartigen Trend. Neuartig sind die Potentiale, durch KI das Spiel zur Laufzeit individuell an die Auffassungsgabe des Spielers anzupassen. Diese müssen aber meiner Ansicht nach erst noch erfolgreich gehoben und evaluiert werden.

Für welche Lern-Zielgruppen eignen sich KI-basierte Serious Games besonders?
Wer keine Spiele mag, wird auch mit Serious Games nichts anfangen können. Sie richten sich prinzipiell an Zielgruppen, die bereits eine starke Spiele-Affinität haben. Das trifft heutzutage auf die meisten jungen Menschen zu. Wichtig ist aber auch eine Bereitschaft zum Lernen, denn in der Regel kann ein Serious Game nicht mit einem Assassins Creed konkurrieren. Ein wichtigster Faktor für die Akzeptanz ist, dass die angebotenen Serious Games auch tatsächlich Wissen und Fähigkeiten vermitteln. Viele Serious Games beschäftigen sich leider allzu oft nur mit dem Abfragen von extern erlerntem Wissen und sind deshalb für den tatsächlichen Lernprozess nicht hilfreich.

Ein wichtiges Einsatzfeld für Serious Games ist das soziale und kollaborative Lernen - welche Vor- und Nachteile haben KI-gestützte Lösungen hierbei?
Kollaborative Spiele haben das Potential, Teamfähigkeiten und Konfliktlösungsansätze zu vermitteln. Serious Games, die das Spielverhalten analysieren, können sich einerseits individuell an die Spieler anpassen und idealerweise gleichzeitig den Fortschritt des Lernens evaluieren, gegebenenfalls individualisierte Kritik üben.

Die Risiken bei KI-basierten Serious Games sind die gleichen wie allgemein beim maschinellen Lernen aus Nutzerdaten. Datenanalyse bedeutet immer eine Nutzerklassifikation, die Risiken birgt. Einerseits gibt es das naheliegende Risiko, zu stark zu verallgemeinern und somit die Individualität nicht gut genug zu erfassen. Das oft unterschätze, zweite Risiko ist aber das sogenannte Over-Fitting, das Zusammenhänge zu erkennen scheint, wo gar keine sind.

In welchen Bereichen können KI-Lösungen künftig den Lehrer gänzlich überflüssig machen?
In keinem Bereich. Das Ziel eines Serious Games kann und soll es nicht sein, einen Lehrer zu ersetzen, genauso wenig wie ein Schulbuch den Lehrer ersetzt. Genauso wenig wie YouTube einen Lehrer ersetzt. Ja, man kann ein gutes Lehrbuch oder ein Serious Game zum Selbststudium verwenden, aber das ist ein unterschiedlicher Lernprozess als der Schulunterricht. Beide sind wichtig und notwendig, und ergänzen sich gegenseitig zu einem sinnvollen Ganzen.