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16.12.2017
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"KENN ICH, VERSTEHE ICH, FINDE ICH GUT"

Warum bei Radio Bremen Plattdeutsch zur norddeutschen Identität gehört

Berthold Brunsen, Programmleiter von Bremen Eins

Berthold Brunsen, Programmleiter von Bremen Eins [Quelle: Radio Bremen/Martin von Minden]


"Plattdeutsch ist ein wichtiger Teil der norddeutschen Identität und Kultur – kurz: des Lebens im Norden.  Ein Radiosender wie Bremen Eins ist ein Spiegel dessen und darum gehören plattdeutsche Elemente für uns ganz selbstverständlich dazu." Das sagt Berthold Brunsen, Programmleiter von Bremen Eins. "Gerade in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung wird die regionale und lokale Identität immer wichtiger. Wenn wir jederzeit mit jedem weltweit in Kontakt treten können, brauchen wir umso mehr Attribute und Merkmale, die uns ausmachen, die zeigen, wer wir sind und woher wir kommen."


Viele Radiostationen entdecken die Dialekte und die Mundart ihrer Region wieder und senden Programme jenseits von Hochdeutsch. Welche Sendungen gibt es bei Ihnen? (Und was versprechen Sie sich von der Ausstrahlung?)
Zu allererst: Das Plattdeutsche ist kein Dialekt und auch keine Mundart, sondern eine eigene Sprache. Das macht sie für „Hochdeutsche“ leider auch schwerer verständlich als manche Dialekte. Dennoch ist das Plattdeutsche ein wichtiger Teil der norddeutschen Identität und Kultur – kurz: des Lebens im Norden.  Ein Radiosender wie Bremen Eins ist ein Spiegel dessen und darum gehören plattdeutsche Elemente für uns ganz selbstverständlich dazu. Aktuell senden wir montags bis freitags um 10.30 Uhr die „Plattdeutschen Nachrichten“, für die die tagesaktuellen Meldungen unserer Hörfunknachrichten sowie der  Wetterbericht von „Muttersprachlern“ in Niederdeutscher Sprache aufbereitet und live präsentiert werden. Die jeweils etwa drei Minuten langen Sendungen sind auch online abrufbar. Darüber hinaus hat Bremen Eins immer wieder Beiträge im Programm, die sich mit der Niederdeutschen Sprache auseinandersetzen. Und nicht zuletzt haben wir eine eigene App für Plattsnacker entwickelt (Wi snackt Platt!) und planen in 2017 eine musikalische Serie in plattdeutscher Sprache.

Lange wurden Dialekte und Mundart vor allem als Stereotype für Comedy genutzt. Warum werden stark Dialekt sprechende Figuren heute wieder ernster genommen?
Ich weiß nicht, ob Ihre These stimmt, hoffe es aber. Wir sehen das Plattdeutsche nicht als Stereotyp für Comedy-Formate, sondern versuchen, dem Image der Sprache als „alt“, „rückwärtsgewandt“ oder „dümmlich“ entgegenzuwirken, indem wir z.B. gerade die Nachrichten auf Plattdeutsch senden. Ein besseres Bekenntnis, diese Sprache ernst zu nehmen, kann es aus Programmsicht kaum geben.

Einzelne Dialekte und Mundarten sind für Auswärtige kaum zu verstehen. Wie stark darf ein Dialekt/Mundart gesprochen werden?
Plattdeutsch kann man nicht „ein bisschen“ sprechen. Das geht nur ganz oder gar nicht. Wir wissen, dass die Mehrheit unserer Hörerinnen und Hörer längeren Texten auf Plattdeutsch nicht folgen können. Dennoch ist allein die akustische Präsenz der Sprache im Radio ein Bekenntnis, das uns wichtig ist.

Im Zuge der Digitalisierung sind alle Programme weltweit über das Internet zu empfangen – andererseits werden die Inhalte immer vielfältiger. Wie sehen Sie die Zukunft von Dialekt und Mundart im Programm?
Gerade in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung wird die regionale und lokale Identität immer wichtiger. Wenn wir jederzeit mit jedem weltweit in Kontakt treten können, brauchen wir umso mehr Attribute und Merkmale, die uns ausmachen, die zeigen, wer wir sind und woher wir kommen. Darum sind wir zuversichtlich, dass auch das Plattdeutsche eine Chance hat und an Bedeutung gewinnen kann. Radio kann dazu beitragen, vor allem dann, wenn Serien und Themen in den sozialen Medien digital geteilt und verbreitet werden können. Ob als Nachrichten oder Comedy - ein „Like“ unter einem plattdeutschen Post bedeutet eben auch: Kenn ich, verstehe ich, finde ich gut, macht mich aus.