Mit großer Gelassenheit haben die etablierten Webradio- und Audioportale, wie radio.de oder laut.fm auf den unmittelbar bevorstehenden Marktstart von radioplayer.de, dem neuen gemeinsamen Portal der deutschen Radiosender, reagiert.
Rainer Henze, Gründer und Vorstand der laut.ag, zeigte sich im Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk skeptisch, ob sich der neue Radioplayer gegen die am Markt erfolgreichen Radio-Apps mit einem auf konventionelle Privatsender beschränkten Angebot durchsetzen kann. Zudem befürchtet Henze nicht, dass die Radiosender, die künftig über die neue Plattform ihr Programm verbreiten, bei laut.fm aussteigen werden. Dafür sei die Nummer drei unter den deutschen Radioplattformen mit derzeit knapp 700.000 Unique Usern im Monat, „bei den UKW-Sendern als Experimentierplattform gerade für Genre-Kanäle zu beliebt“, so Henze.
Auch radio.de, mit derzeit gut einer Millionen Unique Usern im Monat der Platzhirsch unter den deutschen Radioportalen, sieht keine Gefahr für sein Geschäft durch den Marktstart des neuen Radioplayers. Wie Bernhard Bahners, Geschäftsführer von radio.de, im Fachinformationsdienst sagte, „sind Berührungspunkte mit den deutschen Radiosendern im digitalen Raum für uns nichts Unbekanntes“. Entscheidend ist, dass die Radiosender „aufgrund der positiven Auswirkungen auf ihre Reichweite mit unserer Plattform radio.de heute bereits sehr zufrieden sind“. „Mittlerweile“, so Bahners weiter, „hat sich ein intensiver partnerschaftlicher Austausch entwickelt, mit großem Mehrwert für beide Seiten“. Als Vorteil gegenüber der Konkurrenz sieht Bahners auch, „dass neben den Online-Streams bekannter privater und öffentlich-rechtlicher UKW-Stationen die Nutzer bei radio.de auch rein internetbasierte Sender finden. Immerhin beweise aber die Initiative einiger deutscher UKW-Privatradios und ihrem Radioplayer, dass sie die digitale Zukunft erkannt haben“, so der Geschäftsführer von radio.de.
Derzeit verbreitet radio.de mehr als 20.000 nationale und internationale Sender unter anderem über seine Handy-App, die allein in Deutschland bereits mehr als 6,5 Millionen Mal heruntergeladen wurde.
Zu den damit erzielten Werbeumsätzen wollte sich das Unternehmen auf Nachfrage des Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk jedoch nicht äußern.
Hintergrund der Diskussionen ist der noch in diesem Jahr geplante Marktstart von radioplayer.de, einer technischen Plattform, mit welcher künftig in Deutschland Radio im Internet, auf Tablets oder Smartphones gehört werden soll. Mit dem Projekt wollen die Betreiber sogenannten Aggregatoren wie radio.de und Co. den Kampf ansagen, die mit Radioinhalten Geld verdienen ohne die Sender daran direkt zu beteiligen. Inzwischen hat die sogenannte Radioplayer Deutschland GmbH 17 Gesellschafter. Darunter sind beispielsweise Lokalsender aus Bayern und NRW aber auch größere Radio-Betreiber wie Regiocast. Dagegen prüfen die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme derzeit noch, ob sie sich künftig an der neuen Plattform beteiligen wollen.