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Interview

Im Blickpunkt von Europa

Warum Digitalradio in Deutschland gelingen muss

Patrick Hannon, Präsident von WorldDMB, dem Weltverband für digitales Radio Quelle: WorldDMB Alexander Hiller Redakteur Meinungsbarometer.info 03.09.2014

Patrick Hannon, wie wichtig ist der deutsche Markt für die Einführung von Digitalradio in Europa und der Welt?

Hannon: Deutschland gehört ohne Frage zu den wichtigsten Märkten für den künftigen Erfolg von Digitalradio in ganz Europa. In Großbritannien, Norwegen, Dänemark und der Schweiz ist Digitalradio ohnehin gut etabliert und die Markteinführung von DAB+ in Deutschland im Jahr 2011 und in den Niederlanden (2013) hat die Dynamik in ganz Europa deutlich untermauert. Auch neuere Märkte, wie Italien, Frankreich, Polen und Schweden, sind auf den Digitalradiozug aufgesprungen und jetzt dabei, die Einführung von Digitalradio anzugehen. Dabei haben die genannten Märkte schon ein waches Auge auf Deutschland, in welcher Weise auch die dortige Entwicklung dazu beiträgt, dass DAB+ zur zukünftigen Radio-Plattform für ganz Europa wird.

In Deutschland entspinnt sich derzeit eine große Debatte darüber, ob wir einen “UKW-Abschalttermin” brauchen. Halten Sie einen derartigen Termin für sinnvoll, um die Digitalisierung des Hörfunks zu beschleunigen?

Nach meiner Einschätzung ist ein Datum zur Abschaltung von UKW ein wichtiges Element auf dem Weg hin zu einer vollständig digitalisierten Zukunft des Radios. Der Nutzen, den ein festes Abschaltdatum in sich trägt ist, dass es sowohl den Verbrauchern als auch der Industrie Sicherheit gibt. Allerdings ist es nur sinnvoll, einen solchen Termin zu setzen, wenn er von einer klaren Strategie für den Umstieg und abgesteckten Schritten dahin gestützt wird.

Was können Sie unseren privaten Radiostationen antworten, die einen Abschalttermin für „nicht förderlich für ihr Radiogeschäft“ halten?

In diesem Zusammenhang sind drei besonders wichtige Aspekte zu berücksichtigen: In erster Linie geht es um die Bedürfnisse der Hörer – und da gilt: DAB+ ist gegenüber UKW die viel stärkere Plattform fürs Radio. DAB+ bietet eine größere Auswahl von Programmen, bessere Klangqualität und eine Reihe von zusätzlichen Funktionen. Zweitens: Das Wettbewerbsumfeld zum Medium Radio ist im Wandel begriffen. Radio-Entscheider und Radio-Macher müssen diesen Wandel entschlossen aufgreifen, um die Gattung in eine sichere Zukunft zu führen. Und drittens, die Unternehmen, die bereits stark im UKW-Hörfunk sind, dürften, meiner festen Überzeugung nach, auch über DAB+ erfolgreich sein. Ich möchte meinen deutschen Kollegen zurufen: Haben Sie keine Angst vor den anstehenden Veränderungen, nutzen Sie die Gunst der Stunde!

Brauchen wir für Europa eine „Switchover-Strategie“ und wie sieht diese aus?

Eine europaübergreifende strategische Ausrichtung auf einen Umstieg zu DAB+, über die großartigen Aktivitäten der vielen einzelnen Länder hinaus, würde ganz sicher sowohl die Endgerätehersteller als auch die diversen Technologieanbieter und die Entscheider aus der Autoindustrie ermutigen, noch mehr an Unterstützung für die Etablierung von Digitalradio zu leisten. Ganz konkret würde ein europaweit koordinierter Zeitplan zu solch einem Umstieg den Übergang in eine digitale Radiozukunft beschleunigen helfen. In der WorldDMB „Switchover Group“ geht es darum, den eher neuen Märkten die Möglichkeit zu geben, im direkten Austausch mit den Etablierten von deren guten Ansätzen zu profitieren. Beteiligte mit viel Erfahrung aus den Bereichen der Rundfunkveranstalter, Aufsichtsbehörden und Hersteller zeigen ihre Perspektiven auf und vermitteln zwischen den Partnern, wo dies von Vorteil ist. Norwegen etwa kann darauf verweisen, bereits im Jahr 2011 als erstes Land in Europa ein festes Umschaltdatum für den Zeitraum 2017 bis 2019 gesetzt zu haben. Seit dieser Ankündigung hat sich der Absatz von Digitalradio-Empfängern nahezu vervierfacht. Der „best practice“-Ansatz funktioniert allerdings auch umgekehrt. So kommen etwa aus den „jüngeren“ Märkten Italien und den Niederlanden höchst innovative Marketing-Ideen. Wie groß das Interesse der Branche am Switchover-Thema ist, zeigt der Umstand, dass an unserem letzten Treffen in Dublin Vertreter aus acht europäischen Ländern sowie der Europäischen Vereinigung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten EBU teilgenommen haben.

Die ARD wird Anfang kommenden Jahres der KEF einen Bericht vorlegen, in dem sie ihre Einführungsstrategie für Digitalradio erläutert und auch einen Termin formulieren wird. Was erhoffen Sie sich von diesem Bericht?

Seit ihrem umfassenden Einstieg in 2011 unterstützen die Landesrundfunkanstalten der ARD Digitalradio in stetig wachsendem Maß. Parallel dazu hat auch das Deutschlandradio das Thema DAB+ sehr gefördert. Jetzt hat die KEF die Landesrundfunkanstalten aufgefordert, sich auf eine langfristige Programmverbreitungsstrategie zu verständigen. Der Erfolg des Digitalradios in Deutschland hängt maßgeblich davon ab, dass die öffentlichrechtlichen Programmveranstalter ihre Rolle als Wachstumsmotor weiterhin geschlossen annehmen. Das Deutschlandradio stellt 2025 als Switchover-Datum in den Raum, der Bayerische Rundfunk hat vor einiger Zeit angemerkt, es sei schwer vorstellbar, dass der Umstieg von UKW auf DAB+ in Deutschland mehr Zeit in Anspruch nehmen solle als die Energiewende. Mit Blick auf die Statements, die sowohl Politiker in Deutschland als auch ARD-Vertreter abgegeben haben, sind wir guter Dinge, dass die Landesrundfunkanstalten der ARD an ihrem fortschrittlichen Engagement für das digitale Radio der Zukunft gemeinsam festhalten werden.

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