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Interview12.05.2016

E-Prämie der Bundesregierung desaströs

Warum künftig der Individualverkehr an Relevanz verlieren muss

Michael Ziesak, Bundesvorsitzender des ökologischen Verkehrsclub VCD Quelle: VCD/Markus Bachmann Michael Ziesak Verkehrsclub Deutschland e.V.
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Der ökologische Verkehrsclub VCD hält nichts von der Kaufprämie der Bundesregierung für Elektroautos. "Der Kompromiss von Autoherstellern und Bundesregierung wirke wenig überzeugend, das Ergebnis ist für uns als ökologischer Verkehrsclub desaströs", so der Bundesvorsitzende des VCD, Michael Ziesak. Er hat ganz andere Vorstellungen, wie die Mobilität der Zukunft geregelt sein sollte.





Wie bewerten Sie die neue Kaufprämie der Bundesregierung für E-Autos?
Der Kompromiss von Autoherstellern und Bundesregierung wirkt wenig überzeugend, das Ergebnis ist für uns als ökologischer Verkehrsclub desaströs. Weder wird damit E-Autos zum Durchbruch verholfen noch werden Klimaschutzziele unterstützt. Die rein finanzielle Förderung, per Gießkanne, ohne Koppelung an die Effizienz der Fahrzeuge ist pure Industrieförderung.

Ist die Forcierung des Elektroantriebs(mobilität) sinnvoll oder wären alternative bzw. die Optimierung bestehender Antriebssysteme sinnvoller?
Wir brauchen die Elektromobilität für den klimafreundlichen Verkehr, doch die Konzentration auf den Elektroantrieb wird nicht ausreichen, um die Treibhausgasemissionen in erforderlichem Maße zu senken. Wir müssen hin zur Konzeption einer Verkehrswende: mit effizienten Fahrzeugen, egal welcher Antrieb, parallel muss die Energiewende vorangetrieben werden, damit mit regenerativen Strom gefahren werden kann und vor allem müssen die umweltschonenden Verkehrsmittel, Busse, Bahnen und das Fahrrad gestärkt werden.

Wie schätzen Sie die Akzeptanz und die Nutzungspotenziale der Elektroautos für den Individualverkehr ein? Wird das E-Auto künftig Normalität oder bleiben E-Autos teure Hightechfahrzeuge?
Das E-Auto ist für Privatnutzer noch zu teuer, Kaufprämie hin oder her. Außerdem müssen E-Autos 20.000 bis 30.000 Kilometer mit regenerativ erzeugtem Strom fahren, um die Mehrbelastung bei der Batterieproduktion auszugleichen. Richtig lohnt der Einsatz hingegen in Fahrzeugflotten von Unternehmen, beim Carsharing. Hier können E-Autos regelmäßig geladen werden und kommen auf kurzen wie mittleren Strecken intensiv zum Einsatz. Mit Hilfe gezielter Förderung kann das E-Auto hier schnell zur Normalität werden.

Wie steht es um die individuelle Mobilität in der Zukunft – sollte hier nicht grundsätzlich gegengesteuert werden und der öffentliche Verkehr gestärkt werden?
Auf jeden Fall. Wenn wir unsere Klimaziele ernst nehmen und den Wunsch nach mehr Lebensraum in den Städten erfüllen wollen, dann müssen wir den Verkehr insgesamt reduzieren, d. h. weniger Autos und mehr Öffentlicher Verkehr sowie Radverkehr.

Wie könnte in Zukunft eine moderne und urbane Mobilität in unserer Gesellschaft aussehen?
Flexibilität spielt eine große Rolle aber auch Lebensqualität. Den Menschen wird es wichtiger schnell von A nach B zu kommen, statt ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. So ist es vorstellbar, dass in den Ballungszentren Fahrräder, Pedelecs, gut vernetzte Angebote des öffentlichen Verkehrs sowie elektrisch betriebene Carsharing-Fahrzeuge eine dominierende Rolle spielen.

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