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Interview03.01.2020

Der digitale Euro wird nur eine Frage der Zeit sein

Wie Blockchain unser Leben verändert - und was 2020 noch wichtig wird

Andreas Reiter - Zukunftsforscher, Leiter ZTB ZUKUNFTSBÜRO Quelle: ZTB ZUKUNFTSBÜRO Andreas Reiter Reiter Leiter ZTB ZUKUNFTSBÜRO
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Zukunftsforscher Andreas Reiter sieht Facebooks Libra "als Drehmoment in der politischen Wahrnehmung der Krypto-Währungen". Doch während um Libra ein Hype entstanden sei, gehe die stille Entwicklung staatlicher Digital-Währungen an der Öffentlichkeit jedoch meist vorbei. Der Leiter des ZTB ZUKUNFTSBÜRO über die wichtigsten Trends im anbrechenden Jahr.





Blockchain ist ein Dauerbrenner bei den digitalen Trends, zuletzt stand die EU allerdings Währungen wie Facebooks Libra skeptisch gegenüber. Ein Problem für die Technologie – oder für Europa?
Blockchain umfasst ja wesentlich mehr Einsatzbereiche als nur Krypto-Währungen. Ich halte Blockchains mit ihrer dezentralen Logik für ein adäquates Tool einer digitalen Netzwerk-Ökonomie, um jegliche Transaktionen zwischen Menschen und Organisationen abzuwickeln. Die Technologie selbst muss und wird allerdings noch reifen und dann künftig viele zentrale Bereiche unseres Lebens (von der Energiewirtschaft über administrative/behördliche bis zu ökonomischen Transaktionen) verändern. Blockchains geben den Akteuren ihre Hoheit zurück und machen Mittler abkömmlich. Sie sind somit ein weiteres Beispiel für Dezentralisierung und Optimierung der Customer Experience in der Digitalen Moderne.

Facebooks Libra sehe ich als Drehmoment in der politischen Wahrnehmung der Krypto-Währungen. Konnte man bei diesen noch auf das natürliche Ableben im Hype Cycle hoffen, so wurde, glaube ich, den Währungspolitikern und Ordnungshütern dieser Welt die drohende nachhaltige Umgestaltung der Zahlungsinstrumente durch eine „Facebook-Währung“ erst so richtig bewusst – eine globale Datenmaschine wie Facebook muss da ordnungspolitisch in Schranken gehalten werden.

Während um Libra ein Hype entstand, geht die stille Entwicklung staatlicher Digital-Währungen an der Öffentlichkeit jedoch meist vorbei. Frankreich testet eine solche nächstes Jahr, China implementiert seine digitale Währung wohl seinerzeit in Kürze und rollt diese auf seinen Plattformen aus. Der digitale Euro wird natürlich ebenfalls nur eine Frage der Zeit sein – und die Blockchain-Technologie weiter stärken.
 
Ebenfalls jedes Jahr in den Hypelisten: Augemented/Virtual Reality. Kommt 2020 der Durchbruch im Massenmarkt?
Augmented Reality- und Virtual-Reality Applikationen erfordern u.a. schnelle Übertragungsraten wie das 5G, das in Europa eher zögerlich ausgerollt wird. Wenn dieses Ausrollen erfolgt ist, dann steht Entwicklungssprüngen im Bereich AR/VR sowie generell im „Internet der Dinge“ nichts mehr im Wege. Bisher kam man da ja vielfach aus einem Versuchsstadium (siehe Google Glass) nicht hinaus, aber die nächste Generation der Datenbrillen und Smartphones, der Holo Lenses u.a. wird aus meiner Sicht die Märkte revolutionieren und den Menschen in der Tat in ein „virtuelles“ Zeitalter katapultieren. Die Vorteile von Augmented Reality liegen auf der Hand - für Unternehmen (Produkt-Entwicklung, Marketing usf.) wie für Nutzer (Navigation, Customer Experience, Gamification u.a.). Keine Frage, die Zukunft gehört der Mix Reality, in der sich analoge und virtuelle Welten überlappen – aber noch nicht im Jahr 2020 (dafür – so meine Einschätzung - aber in den nächsten fünf Jahren).

KI-Anwendungen sind schon in den letzten Jahren immer gebräuchlicher geworden, nun erwarten Experten verschärfte Debatten über die Sicherheit bei KI. Was müsste aus Ihrer Sicht in dieser Frage geschehen?
KI ist zweifellos eine der zentralen Zukunfts-Technologien, die jedoch gründlicher ethischer Diskussionen und politischer Frameworks bedürfen – sonst gleiten wir ab in einen digitalen Überwachungsstaat (wie er in China schon heute Realität ist) und in eine rundum kuratierte Konsumwelt (wie sie auch bei uns schon im Gange ist). Da Menschen und Organisationen ihre Effizienz und Optimierung ständig weiter entwickeln, werden wir auf KI nicht verzichten können (und wollen). Gefordert sind Transparenz, digitale Ethik und ein klares politisches Regelwerk, das auf unseren europäischen Werten beruht – und dennoch kompetitiv ist. Die Ko-Existenz von Mensch und künstlicher Intelligenz ist die eine Beziehung, die wir heute noch nicht abschätzen und bei der wir daher äußerst umsichtig vorgehen müssen. Doch eine jede Gesellschaft hat es in der Hand, in welche Richtung sie ihre Technologien einsetzen will – ob zum Best oder zum Worst Case.

Welche digitalen Trends sind daneben für Sie die wichtigsten im Jahr 2020?
All jene Technologien und Devices, die die zentralen Consumer Trends – On demand, Convenience – erfüllen und eine smarte User Experience ermöglichen: Sprachsteuerung (Voice First), Predictive Products & Services sowie generell die Ausweitung der digitalen Ökosysteme (Plattform-Ökonomie) stehen für mich 2020 im Fokus. Entscheidend für die weitere Marktdurchdringung werden aus meiner Sicht künftig immer stärker – neben funktionalen Aspekten – ökologische (Klimaneutralität) und ethische (Transparenz etc.) sein.

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