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Interview02.03.2017

Bundes-SPD fordert mehr Intelligenz im Stromsystem

Wie Digitalisierung und Energiewende zusammenspielen müssen

Bernd Westphal, Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion Quelle: SPD-Bundestagsfraktion Bernd Westphal MdB SPD
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Die Energiewende zieht einen nahezu kompletten Umbau des Stromsystems nach sich. Bernd Westphal, Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der SPD-Bundestagsfraktion, fordert jetzt mehr dezentrale Erzeugungsanlagen und eine weiterentwickelte Netzinfrastruktur. "Wir brauchen mehr Intelligenz im Stromsystem, weshalb wir die Digitalisierung sinnvoll für die Energiewende nutzen sollten."





Die Deutschen befürworten flexible Stromtarife nach dem jeweiligen Energie-Angebot – viele um Kosten zu sparen. Inwieweit sind flexible Tarife auch günstiger?
Die Tatsache, dass mehr als drei Viertel der Befragten sich für flexible Stromtarife interessieren, ist sehr positiv. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sind offen für neue Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung. Um einen Anreiz zu setzen, werden diese Tarife wahrscheinlich günstiger sein, als es herkömmliche Tarife sind. Die genauen Kosten sind allerdings von der Ausgestaltung der flexiblen Tarife und von dem Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher abhängig. Mit dem Einbau von Smart Metern und der weiteren Digitalisierung der Energiewende gehen wir einen wichtigen Schritt hin zu einer besseren Synchronisierung von volatiler Erzeugung und schwankender Nachfrage machen. Damit bietet uns die Digitalisierung eine Möglichkeit das enorme Flexibilisierungspotenzial auch bei privaten Haushalten zu heben.

Eine überwältigende Mehrheit begrüßt den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2050. Was bedeutet der Komplettumstieg für die Energieproduktion und die Netze?
Die Energiewende zieht einen nahezu kompletten Umbau des Stromsystems nach sich. Wir brauchen viel mehr dezentrale Erzeugungsanlagen und eine weiterentwickelte Netzinfrastruktur.Wir brauchen mehr Intelligenz im Stromsystem, weshalb wir die Digitalisierung sinnvoll für die Energiewende nutzen sollten. Wir müssen uns im Bereich der Energieeffizienz immer weiter steigern, um weniger Energie zu verbrauchen, die erneuerbar hergestellt werden muss. Wir brauchen eine Hebung der Flexibilitätspotenziale in der Industrie, im Handel und Gewerbe wie auch im privaten Bereich. Wir müssen die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Sektorkopplung schaffen, um Strom auch im Wärme- und Verkehrssektor einzusetzen. All das sind nur einige Herausforderungen, die in uns den kommenden Jahren beschäftigen werden. Daran zeigt sich deutlich, dass es noch viel zu gestalten gilt, um die Energiewende weiterhin erfolgreich voranzubringen.

Bei einem Wechsel der Stromanbieter beklagen 43 % der Befragten, dieser sei zu kompliziert. Was kann man dagegen tun?
Um einen angemessenen Wettbewerb auf dem Strommarkt zu etablieren, ist es wichtig, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher Tarife vergleichen und für sich entscheiden, ob sie bei ihrem Anbieter bleiben oder wechseln wollen. Vergleicht man die Daten der Stromversorgung mit anderen Anbietern, wie zum Beispiel in der Mobilfunkbranche, wird deutlich, dass die Wechselbereitschaft bei Stromkunden sehr viel geringer ist.
43 Prozent derjenigen, die noch nie gewechselt sind, geben an, dass ihnen der Wechsel zu kompliziert sei. Zum einen zeigt sich hier eine deutliche Diskrepanz zur 81 prozentigen Zufriedenheit mit dem bisherigen Stromanbieter und zum anderen gibt diese Prozentzahl keinerlei Auskunft darüber, ob die Kompliziertheit des Wechsels, der von den Befragten vermutet wird, auf Informationen oder Vermutungen beruht.
Daher lässt sich schlecht schlussfolgern, ob es hier konkreten politischen Handlungsbedarf gibt. Wer sich online einen neuen Stromanbieter sucht und mit ihm einen Vertrag abschließt, braucht lediglich die Zählernummer und das Datum des Lieferbeginns parat haben. Die Kündigung beim alten Stromanbieter wird sogar vom neuen übernommen. Das ist bereits um einiges einfacher als in anderen Branchen.

Viele Befragte sorgen sich bei Smart-Metern um die Sicherheit – über die Hälfte befürchtet Hackerangriffe, knapp ein Drittel sieht Datenschutz-Probleme. Wie lässt sich der Missbrauch der digitalen Infrastruktur verhindern?
Wir stehen in Deutschland am Anfang der Digitalisierung der Energiewende. Die Frage, die wir uns stellen ist deshalb nicht, wie wir den Missbrauch verhindern, sondern, wie wir erst gar keinen Missbrauch entstehen lassen können.
Das im letzten Jahr verabschiedete Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist in einer nie dagewesenen engen Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entstanden. Das gesetzlich festgeschriebene Schutzprofil für die in Zukunft einzubauenden intelligenten Messzähler ist das höchste Schutzprofil, das weltweit für intelligente Messsysteme Anwendung findet. Deutschland ist weltweit ein Vorreiter bei Datensicherheit und -schutz.
Gerade für private Haushalte ist die Erfassung und die Übermittlung der Daten auf ein Minimum reduziert, sodass kein persönliches Profil erstellt werden können. Digitalisierung ist eine Bewegung, die die Politik nicht aufhalten kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir von Anfang an dabei sind, sie sicher für die Verbraucher zu gestalten.

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