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21.07.2019
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17 PROZENT BUNDESWEITE HAUSHALTSAUSSTATTUNG SIND ZU WENIG

Was für DAB+ getan werden muss

Olaf Hopp, ENERGY Deutschland Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender der APR

Olaf Hopp, ENERGY Deutschland Geschäftsführer und stellvertretender Vorsitzender der APR [Quelle: ENERGY]


"Ohne valide Hörerzahlen ist eine Refinanzierung für DAB+ only Sender kaum möglich", konstatiert Olaf Hopp. Der Geschäftsführer von ENERGY Deutschland ist zugleich stellvertretender Vorsitzender des Privatradioverbandes APR. Für ihn ist es besonders wichtig, dass die DAB+-Geräteausstattung zeitnah signifikant steigt. Doch nicht nur das.


In Bayern hat ein Regionalsender die DAB+-Verbreitung aufgeben müssen. Wie schätzen Sie die Lage regionaler Anbieter auf DAB+ ein?
Herausfordernd! Ohne valide Hörerzahlen ist eine Refinanzierung für DAB+ only Sender kaum möglich. Ziel muss es daher vorrangig sein, die DAB+-Geräteausstattung in den Haushalten zeitnah signifikant zu steigern. Der EU-Beschluss bzgl. der Interoperabilitätsverpflichtung in Autos ist ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die aktuell 17% bundesweite Haushaltsausstattung sind zu wenig, damit "DAB+ only"-Programme eine Chance haben. Ein Ausbau des DAB+ Marketings, zusätzliche finanzielle Mittel und ein noch besseres Zusammenwirken zwischen allen Stakeholdern ist notwendig, um dieses Ziel zu erreichen.

Regionale Sender fordern, in die Vermarktung der beiden großen Anbieter RMS oder AS&S aufgenommen zu werden. Braucht es diesbezüglich Regulierung, um die kleinen Sender zu stärken?
Selbstverständlich müssen alle Radiosender, und damit auch DAB+ only Sender, die die Kriterien der MA erfüllen und eine vermarktbare Reichweite ausgewiesen bekommen, die Möglichkeit haben, an den nationalen Werbetöpfen zu partizipieren. Ein möglicher Weg ist die Bildung eigener Kombis. Die "DAB+ Radio Kombi Deutschland", in der sich mehrere Sender bündeln und dadurch in der MA ausgewiesen werden, ist ein gutes Beispiel dafür. Auch wenn es gerade im Fall von Kultradio nicht zum gewünschten Erfolg geführt hat, ist der Ansatz trotzdem der richtige.

Regionale Sender beklagen, dass die MA zu wenig auf kleine Sender zugeschnitten ist. Wie könnten die Reichweiten von solchen Sendern besser abgebildet werden?
Die agma beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit der Ausweisungsmöglichkeit von DAB+ Reichweiten in der MA. In 2018 wurde erstmals eine eigene DAB+ Währungsstudie durchgeführt, die 2019 fusioniert in die ma Audio einfließen wird. Dieser wichtige Schritt ist die methodische Voraussetzung, zukünftig die Reichweiten aller Sender, auch der DAB+ only Sender, in der MA abzubilden. Dass sich - davon losgelöst - neue, regionale DAB+ only Sender bei einer DAB+ Marktdurchdringung von aktuell erst knapp 20%, bündeln müssen, um auf vermarktungsrelevante Reichweiten zu kommen, kann nicht überraschen. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt davon, dass sich DAB+ in einigen Jahren als komplementärer Übertragungsweg etablieren wird.

Insbesondere Anbieter, die regionale Programme über DAB+ verbreiten, haben Probleme - dagegen wachsen andererseits via DAB+ nationale Programm-Marken heran. Wie könnte DAB+ den traditionell stark regional geprägten deutschen Radiomarkt verändern?
Lokaler Bezug wird auch in Zukunft eine der Kernstärken des Radios bleiben. Nationale Programme sind zusätzliche Angebote. Wir bewerten natürlich die Steigerung der technischen Reichweite durch unser nationales DAB+ Programm "ENERGY - HIT MUSIC ONLY !" positiv, aber durch das Angebot auf dem nationalen Multiplex wird sich die Struktur des deutschen Radiomarktes nicht grundsätzlich ändern.