E-Autos werden immer beliebter und verdrängen beim Kaufwunsch zunehmend Verbrenner-Autos - wo sehen Sie die Hauptgründe dafür?
Die Hauptgründe liegen in der sich langsam durchsetzenden Erkenntnis, das die Abhängigkeiten von Gas und Öl immer problematischer wird und sich auch durch tendenziell steigende Preise für Benzin und Diesel ausdrückt; vor allen Dingen in ländlichen Regionen und bei Eigenheimbesitzenden wird der der Wunsch immer größer, das Auto mit dem eigenen PV-Strom vom Dach selbst und sehr kostengünstig zu versorgen. Gleichzeitig ist das Angebot von E-Fahrzeugen auch unterhalb von 35.000 EUR deutlich besser geworden und auch im Gebrauchtmarkt tut sich mittlerweile einiges. Diese positiven Trends sind dann noch durch die Prämie weiter verstärkt worden und haben die Entscheidung zum tatsächlichen Kauf beschleunigt.
Als Vorbehalte gegen E-Autos gelten etwa hohe Anschaffungskosten und zu geringe Reichweiten - wo stehen die Hersteller bei der Lösung dieser Probleme?
Die Vorbehalte sind in den letzten fünf Jahre deutlich geringer geworden, weil die Qualität der Fahrzeuge insbesondere hinsichtlich der Reichweiter deutlich besser ist. Die angebotenen Modelle erreichen mittlerweile eine Mindestreichweite von 350 - 400 Kilometer. Gleichzeit ist das Ladenetz besser ausgebaut worden. Sicherlich könnte man hier noch mehr tun. Die Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte ist immer noch zu klein und vor allen Dingen in Richtung Ost- und Südeuropa noch ausbaubedürftig. Die Autobauer sind ebenfalls gut beraten, die Modellpalette unter 30.000 EUR deutlich auszubauen.
Wie sehen Sie im Lichte dessen Pläne mögliche Aufweichungen beim EU-Verbrenner-Aus?
Für die deutschen Hersteller ist das eine Katastrophe. Es ist pures Gift für die notwendige Transformation. Daimler, BMW und allen voran VW verlieren China als ihren wichtigsten Absatzmarkt, weil nicht schnell und konsequent genug auf E-Antriebe umgestellt wurde. Andere Märkte in Europa ziehen ebenfalls nach. Durch das Gebaren der deutschen Bundesregierung wird dieser Prozess noch weiter verlangsamt und die deutschen Hersteller drohen den Anschluss hier noch länger zu verpassen. Es ist also industrie- und innovationspolitisch gesehen ein völlig kontraproduktiver Ansatz und im Ergebnis wird es den Prozess der weitern Modernisierung der deutschen Automobilbranche gefährden und damit viele Arbeitsplätze kosten.
Insgesamt geht der Trend zu immer vielfältigerer und flexiblere Mobiltität - welche Auswirkungen kann das auf den Automarkt haben?
In den großen Städten geht die Nutzung des Autos zurück; bei der Zahl der Wege, den gefahrenen Kilometer und neuerdings sogar bei den Zulassungen. Dagegen steigt die Nutzung von Sharingangeboten sowie die Taxi- und Mietwagenfahrten. Der Bedarf nach Alternativen zum eigenen Auto ist daher groß; der klassische ÖPNV mit Bussen und Bahnen kann dies aber nur zu einem kleinen Teil abdecken, weil es aus Sicht der Autofahrenden immer Lücken im Angebot gibt. Die Nutzungszahlen im öffentlichen Verkehr stagnieren daher in den letzten Jahren. Wünschenswert ist eine konsequente Kombination aus Taxi-Mietwagen, Sharingangeboten und öffentlichem Verkehr. Beispielsweise könnten zu bestimmten Zeiten, in bestimmten Gebieten für ausgewählte Zielgruppen die Fahrt mit Taxi- und Mietwagen bezuschusst und damit für die erste und letzte Meile ein attraktives Angebot entwickelt werden.
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