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Interview17.09.2026

Kiel für Grundgesetzänderung bei Klimaschutz und Klimaanpassung

Und was die Landeshauptstadt beim Hitzeschutz tut und plant

Dr. Martina Baum - Leiterin des Referates der Stadt Kiel Quelle: Kiel Dr. Martina Baum Leiterin des Referates Klimaanpassung Stadt Kiel
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Für die Landeshauptstadt Kiel als Küstenstadt, ist das Thema Hitze nur ein Teilaspekt der Folgen des Klimawandels", betont Dr. Martina Baum von der Stadtverwaltung. In ihrer Stadt gibt es dafür ein Rahmenkonzept. Eine bessere Finanzierung bei der Klimaanpassung sieht sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.





Der Rekordsommer hat einmal mehr die Hitze-Vorsorge in den Blickpunkt gerückt. Wie rüstet Ihre Kommune sich gegen Hitzewellen?
Im Februar 2026 hat die Kieler Ratsversammlung das Rahmenkonzept Klimaanpassung der Landeshauptstadt Kiel* beschlossen (KLANK, Drs.-Nr. 0015/2026). Das Thema Hitze ist eine zentrale Herausforderung - im Rahmenkonzept sind viele konkrete Maßnahmen dazu gebündelt (S. 36-39): Von den städtischen Internetseiten zum Umgang mit Hitze (Landeshauptstadt Kiel | Tipps für das richtige Verhalten bei Hitze , Landeshauptstadt Kiel | Hitze - Fachinformationen für Multiplikator*innen, Landeshauptstadt Kiel | Hitze - Kühle Orte in Kiel), über Informationen für Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen (z.B. ältere Menschen und Kinder) und die Verteilung von Warn-Aufklebern für Hitze in Innenräumen bis hin zu Fortbildung für Personal und Multiplikator*innen in Alten- und Pflegeheimen, in Seniorentreffs, Erklärvideos, der Warnung der Bevölkerung vor Hitze durch Anzeigen auf Monitoren in Bussen des öffentlichen Nahverkehrs, der Förderung insbesondere von klimaresilientem Stadtgrün und einem Förderprogramm für Dach- und Fassadenbegrünung.

Für die Landeshauptstadt Kiel als Küstenstadt, ist das Thema Hitze nur ein Teilaspekt der Folgen des Klimawandels. Ebenso relevant sind der steigende Meeresspiegel, oder die zukünftige Häufung von Extremwetterereignissen, wie z. B. Starkregen oder Sturmfluten.

Die Klimaanpassung ist eine bedeutende und dauerhafte Querschnittsaufgabe, deshalb wurde Anfang 2025 das Referat Klimaanpassung etabliert. Es beschäftigt sich mit allen Nuancen der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und des Küstenschutzes. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit der Stadt Kiel zu stärken, die Lebensqualität und Sicherheit zu bewahren und Kiel als lebenswerte, zukunftsfähige und nachhaltige Stadt weiterzuentwickeln.

In vielen Städten gibt es gute Best-Practice-Beispiele - wie vernetzten Sie sich mit anderen Kommunen bei diesem Thema?
Der fachliche Austausch findet auf verschiedenen Ebenen statt. In Schleswig-Holstein gibt es zum Beispiel ein Netzwerk von Klimamanager*innen, die sich niedrigschwellig und regelmäßig zu aktuellen Themen austauschen. Auf Bundesebene ist das Zentrum Klimaanpassung eine wertvolle Wissens- und Vernetzungsplattform. Darüber hinaus ist die Landeshauptstadt Kiel Netzwerkpartnerin in drei EU-Interreg-Projekten - Poseidon, ClimateBlue, ClimatPol. In diesen Projekten geht es um die verschiedenen Facetten der Klimaanpassung und den Austausch im Deutsch-Dänischen-Grenzraum.

Kiel ist Mitglied von Eurocities, einer europaweiten Vereinigung von hunderten von Städten. Auch dort spielt Klimaanpassung eine wichtige Rolle und wird unter anderem in einer eigenen Taskforce gemeinsam bearbeitet.

Wie können digitale Tools etwa bei der Vorhersage von Hitzewellen und zur Planung von Schutzmaßnahmen helfen?
Die Landeshauptstadt Kiel lässt aktuell eine Stadtklimaanalyse mit Stadtklimakarte erstellen. Die Karte ermöglicht detailliertere Einschätzungen zu Hitzeinseln und Auswirkungen von Starkregenereignissen, oder Sturmfluten. Außerdem helfen diese Daten z. B. dabei, Frischluftschneisen zu identifizieren und langfristig von Bebauung freizuhalten und Baumaßnahmen detaillierter planen zu können. Außerdem wird dieses Model die Möglichkeit bieten verschiedene Klimaszenarien zu simulieren und so zukünftige stadtklimatische Probleme möglichst früh zu erkennen, bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen.

Mit Hilfe der digitalen Küstenkarte, die zusammen mit der KielRegion Gmbh, dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) und der Christian-Albrechts-Universität entwickelt wurde, können verschieden Küstenhochwasserszenarien simuliert und die Auswirkungen von Bauwerken direkt analysiert werden.

In einem aktuellen Projekt mit der KielRegion GmbH, kommen LoRaWAN-Senoren zum Einsatz. Ziel ist die Erhebung von live Messdaten zum Beispiel der Wassertemperatur oder der UV-Strahlung.

Wie sollte der Bund die Kommunen beim Hitzeschutz unterstützen? 
Eine stabile, langfristige Finanzierung – statt kurzfristiger Förderprogramme – wäre für Kommunen wie die Landeshauptstadt Kiel besonders hilfreich, da die Anpassung an den Klimawandel eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Dazu sollte eine Gemeinschaftsaufgabe „Klimaschutz und Klimaanpassung“ nach Artikel 91a Grundgesetz etabliert werden. So ließe sich die finanzielle Verantwortung zwischen Bund und Ländern gerecht verteilen und gleichzeitig eine verlässliche, dauerhafte Finanzierung für die Kommunen schaffen, anstatt sie auf einzelne, zeitlich begrenzte Förderprojekte zu beschränken. 

 

 

 

* https://www.kiel.de/de/politik_verwaltung/ratsversammlung/infosystem/VO020?VOLFDNR=1005316

■■■ WEITERE BEITRÄGE DIESER FACHDEBATTE

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