Der Rekordsommer hat einmal mehr die Hitze-Vorsorge in den Blickpunkt gerückt. Wie rüstet Ihre Kommune sich gegen Hitzewellen?
Der Rekordsommer hat uns wieder einmal vor Augen geführt, wie wichtig eine vorausschauende Hitzevorsorge ist. Wir setzen dabei auf einen breiten Maßnahmenmix, der über einzelne innerstädtische Maßnahmen hinausgeht. Ein zentraler Baustein ist beispielsweise der Umbau unseres kommunalen Waldes zu klimaresilienten Mischwäldern, die auch in Trockenperioden ihre Funktion als CO2-Speicher, Wasserspeicher und Kühlfläche erhalten.
Ergänzend dazu bauen wir als Smart-City-Projekt ein KI-gestütztes System auf, das neben Hochwasser auch Niedrigwasser und Dürreperioden erfasst; zukünftig werden wir so Hochwasserereignisse in Arnsberg vorhersagen können. Im Stadtgebiet wandeln wir städtische Grünflächen konsequent in naturnahe Blühflächen um – das verbessert die kleinräumige Verdunstungskühlung und die Biodiversität gleichermaßen. Mit den „Leitlinien Grün in der Stadt Arnsberg" haben wir zudem einen verbindlichen Rahmen geschaffen, an dem sich Planung und Pflege des Stadtgrüns, aber auch der Straßenbau orientieren.
Aktuell erarbeiten wir außerdem – gesteuert durch einen eigenen Klimaanpassungsmanager – ein gesamtstädtisches Klimaanpassungskonzept, das die bisherigen Einzelmaßnahmen bündelt und strategisch weiterentwickelt. Ein Hitzeaktionsplan soll auch dazu gehören. Bereits etabliert ist unsere „Kühle-Orte-Karte", die auf unserer Webseite und oder auch auf unseren Hitzefächern zu finden ist. Die Karte wird regelmäßig aktualisiert und stellt schattenspendende Bereiche, öffentliche Trinkwasserbrunnen sowie klimatisierte Gebäude, die bei Bedarf aufgesucht werden können, dar.
Ergänzend haben wir unseren Hitzeknigge bereits in dritter Auflage veröffentlicht und in sozialen Einrichtungen verteilt, um die Menschen für richtiges Verhalten bei Hitze zu sensibilisieren. Er enthält praxisnahe Verhaltenstipps für heiße Tage und richtet sich gezielt an vulnerable Bevölkerungsgruppen sowie an Personal in Pflege- und Betreuungseinrichtungen. Zum Thema Anpassung beraten wir zudem gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW im Rahmen der Energieberatung. Im Rahmen dessen werden zunehmend auch bauliche Anpassungsmaßnahmen wie Verschattung, Dämmung und die Begrünung von Gebäuden thematisiert.
In vielen Städten gibt es gute Best-Practice-Beispiele – wie vernetzen Sie sich mit anderen Kommunen bei diesem Thema?
Gute Praxisbeispiele gibt es in vielen Kommunen – der Austausch darüber ist uns wichtig. Auf Kreisebene sind wir im Arbeitskreis der Klimabeauftragten des Hochsauerlandkreises organisiert, auf regionaler Ebene nehmen wir an den von Energy4Climate koordinierten Formaten in Südwestfalen teil.
Hinzu kommen runde Tische und Arbeitsgruppen auf Landesebene NRW sowie Projekte der kommunalen Spitzenverbände. Über all diese Kanäle fließen Erfahrungen und Best-Practice- eispiele aus anderen Kommunen unmittelbar in unsere eigene Arbeit ein. Und selbstverständlich nutzen wir die Netzwerke, die sich über die Förderung unseres (bundesgeförderten) Klimaanpassungsmanagements ergeben.
Wie können digitale Tools etwa bei der Vorhersage von Hitzewellen und zur Planung von Schutzmaßnahmen helfen?
Digitale Tools unterstützen uns entlang der gesamten Kette von der Erfassung bis zur Warnung. Beim Erfassen setzen wir auf ein Stadtklimamonitoring aus eigenen Wetterstationen und Daten des Deutschen Wetterdienstes, ergänzt um Pegelstands- und Bodenfeuchtesensoren sowie frei verfügbare Open-Data-Quellen. Diese Daten werden analysiert und anschließend anschaulich dargestellt – etwa über Hochwasser- und Wärmekarten in einem digitalen Zwilling der Stadt, über den Arnsberger Waldmonitor oder über unser städtisches Klimadashboard. So schaffen wir Transparenz und stärken das Bewusstsein für das Thema in der Öffentlichkeit. Auf Basis dieser Daten lässt sich zudem prognostizieren, etwa im Rahmen unseres KI-gestützten Hochwassermonitorings, und im Ernstfall frühzeitig warnen.
Wie sollte der Bund die Kommunen beim Hitzeschutz unterstützen?
Vor allem brauchen wir eine strukturelle Verankerung: Klimaschutz und Klimaanpassung müssen endlich zum Kanon der kommunalen Pflichtaufgaben gehören, damit sie nicht länger von der jeweiligen Haushaltslage einzelner Kommunen abhängen. Und im Sinne des Konnexitätsprinzips müssen diese Aufgaben auch auskömmlich finanziert werden.

