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Interview18.05.2016

Erfolgreichem Start von DVB-T2 HD steht nichts im Wege

Mit welchem Know-how die Experten von Rohde & Schwarz die Rundfunknetze für das neue Antennenfernsehen fit gemacht haben

Peter Kaltenstadler, Leiter Business Unit Transmitters Fachgebiet Marketing und technischer Vertrieb bei Rohde & Schwarz Quelle: Rohde & Schwarz Peter Kaltenstadler Bitte auswählen Rohde & Schwarz
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Alexander Hiller
Redakteur
Meinungsbarometer.info
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Nun kommt das hochausflösende Fernsehen über die Antenne DVB-T2 HD startet in Deutschland. Peter Kaltenstadler, Leiter Business Unit Transmitters Fachgebiet Marketing und technischer Vertrieb (Foto) und Thomas Loichinger, Leiter Business Unit Headends bei Rohde & Schwarz kurz vor dem Pilotbetrieb.





Der Start des Pilotbetriebes von DVB-T2 HD in Deutschland steht unmittelbar bevor: Mit welchen Planungen und Arbeiten gehen Sie in die finale Phase?
Peter Kaltenstadler:
Das Wichtigste ist in jedem Fall, dass die Sendeanlagen pünktlich geliefert, planmäßig installiert und für unsere Netzbetreiber störungsfrei in Betrieb gehen. Die erforderlichen technischen Parameter hatten wir zügig implementiert und in den Pilotphasen mit unseren Kunden erfolgreich getestet. Gleichzeitig haben wir das Servicepersonal professionell vorbereitet und geschult. Einem erfolgreichen Start steht aus unserer Sicht also nichts mehr im Wege. Unsere Broadcast-Experten stehen selbstverständlich weiterhin während der Startphase mit ihrem ganzen Fachwissen und ihrer Projekterfahrung den Netzbetreibern zur Seite.

Welche Herausforderungen bringt der Wechsel auf den neuen terrestrischen Fernsehstandard mit sich und was ist das Besondere?
Kaltenstadler: Die Vorteile von DVB-T2 für den Zuschauer liegen aufgrund der höheren Übertragungskapazität im Empfang von mehr Programmen und hochauflösendem Fernsehen mit besserer Bildqualität. Für die Sendenetzbetreiber bietet sich mit DVB-T2 die Chance, die für sie knappe Ressource Spektrum besser zu nutzen. Das wird einerseits durch die deutlich verbesserte Kanalcodierung von DVB-T2 im Vergleich zu DVB-T ermöglicht. Bei gleicher Störfestigkeit lassen sich nun mehr Daten übertragen.
Thomas Loichinger: Hinzu kommt die vorgelagerte Quellcodierung im Headend. HEVC erlaubt eine wesentlich höhere Datenkompression als das bisher gängige Verfahren AVC (H.264). Somit können mehr Programme oder Programme in höherer Auflösung bei gegebener Datenrate übertragen werden. Der Netzbetreiber kann also über den ihm verfügbaren Kanal ein deutlich attraktiveres Angebot machen. Die terrestrische Übertragung wird wieder richtig konkurrenzfähig gegenüber anderen Übertragungswegen wie Kabel, Satellit oder Internet. Um von DVB-T2 zu profitieren, müssen die Netzbetreiber aber zunächst in ihre Anlagen investieren. Außerdem müssen die Kunden dazu motiviert werden, sich die erforderlichen Empfänger wie Set-Top-Boxen oder Fernsehgeräte mit HEVC-Decoder zuzulegen. Außer Acht gelassen dürfen auch die konkurrierenden Übertragungswege nicht, die sich technisch weiterentwickeln und ebenfalls auf HEVC umstellen können.
Kaltenstadler: Die hohen Investitionskosten sind eine große Herausforderung für die Rundfunknetzbetreiber. Durch die Parallelausstrahlung mit DVB-T und DVB-T2 sind neue DVB-T2-Sender sowie zusätzlich Weichenanlagen erforderlich. Dementsprechend sollten sie darauf achten, die Betriebskosten so niedrig wie möglich zu halten. Hier kommen unsere Sender mit Doherty-Technologie und einem hohen Wirkungsgrad ins Spiel: Sie bieten höchste verfügbare Energieeffizienz und Leistungsdichte. Dadurch lassen sich Infrastruktur- und Energiekosten nachhaltig und spürbar senken.
Loichinger:
Die Investition in moderne software-basierte Headends bringt einen zusätzlichen Vorteil. Weitere Verbesserungen bei den Encodern oder neue technische Anforderungen wie z. B. HDR lassen sich relativ einfach ergänzen. Darüber hinaus entwickelt sich die zugrunde liegende Standard IT-Hardware sehr schnell weiter. Damit lassen sich in der Zukunft mit geringen Investitionen weitere Kostensenkungen erzielen. Die Software-Lizenzen können dann einfach auf die erneuerte Hardware portiert werden. Rohde & Schwarz war bereits bei der Einführung von DVB-T dabei und hat seine Produkte für DVB-T2 weiterentwickelt. Unsere Sender und Headends kamen bereits im Testbett des Sendernetzbetreibers Media Broadcast in Berlin zum Einsatz. D.h. die Einführung von DVB-T2 stellt für uns keine Herausforderung dar. Wenn DVB-T2 dann in den Regelbetrieb geht, müssen noch zahlreiche weitere Headends aufgebaut werden, die das Encodieren der Programme in HEVC übernehmen. Die Ausschreibungen dazu laufen derzeit noch. Wir sind zuversichtlich, in einigen dieser Projekte den Zuschlag zu erhalten und so auch beim Regelbetrieb vorne dabei zu sein.

Wie viele DVB-T2-Funktürme statten Sie für die Pilotphase deutschlandweit mit Ihrer Technik und dann im weiteren Verlauf für den Regelbetrieb aus?
Kaltenstadler: Die Startphase umfasst zunächst alle Ballungsgebiete. Hier sind wir mit 60 Sendern inklusive Messtechnik-Lösungen an 34 Standorten vertreten. Selbstverständlich auch weiterhin dann im Regelbetrieb, der im März 2017 einsetzt. Für die weitere Ausbauphase, in der die Mittelzentren versorgt werden, erarbeiten wir aktuell die Detailplanung. Unsere Fertigung haben wir bestmöglich vorbereitet, damit die erforderlichen Sendeanlagen mit kürzester Lieferzeit an den vorgesehenen Standorten auch weiterhin planmäßig in Betrieb gehen können – darauf konzentrieren wir uns als verlässlicher Partner unserer Kunden.

Weniger im Fokus stehen aktuell die lokalen TV-Programme? Welche Perspektive haben diese mit Blick auf DVB-T2? Entwickeln Sie auch technische Lösungen für kleinteilige Netze?
Loichinger: Die Netzbetreiber wollen wie bisher regionale Fenster bei der ARD und den großen kommerziellen Programmanbietern verbreiten. Die dafür vorgesehenen technischen Lösungen wurden bereits in unser flexibles, softwarebasiertes Headend implementiert und erfolgreich getestet. Rein lokale Sender sind natürlich auch denkbar. Diese würden voraussichtlich auf einer eigenen Frequenz ausgestrahlt werden, um die regionalen SFNs („Single Frequency Networkls“) nicht zu stören. Wir bieten dazu auch kleine kompakte Lösungen für lokale Headends an.
Kaltenstadler: Sendertechnisch bieten wir Modelle in allen Leistungsklassen, das heißt auch Kleinleistungssender im Bereich von 5W bis 200W, wie sie etwa für Campusfernsehen benötigt werden.

Ihr Unternehmen ist nicht nur deutschlandweit sehr aktiv, sondern auch weltweit. Welches sind derzeit Ihre bedeutendsten Rundfunk-Projekte außerhalb Deutschlands?
Kaltenstadler: Wir beliefern als Marktführer für digitale terrestrische TV-Sender in der Tat Rundfunknetze weltweit. Unsere Sende- und Messtechnik ist in mehr als 80 Ländern mit allen verfügbaren Sendestandards im Einsatz. Komplette DVB-T2-Netze sind in Europa, wie zum Beispiel in Griechenland und kürzlich in Albanien, ausgerollt - ebenso bereits in Kolumbien mit unserer neuesten Sendetechnik in Betrieb. In zahlreichen afrikanischen Ländern unterstützen wir mit unseren Sendeanlagen den Umstieg des analogen TVs in den digitalen DVB-T2 Standard. Aktuell beliefern wir den Rundfunkbetreiber in Malaysia mit zahlreichen Sendeanlagen für eine landesweite Abdeckung mit DVB-T2. In den USA rüsten wir die Rundfunkbetreiber mit der Sendetechnik aus, die für die Frequenzumstellung sowie den Austausch alter Sendeanlagen verwendet wird. Spannend und zukunftsweisend ist natürlich auch die Übertragung in 4K. In Korea hat der größte öffentlich-rechtliche Programmanbieter das erste terrestrische UHD-TV-Netz errichtet – mit Sendern von Rohde & Schwarz, die im DVB-T2 Modus betrieben werden.

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