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19.12.2018
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AUF DAS SMARTPHONE TOUCHEN IST NOCH KEINE MEDIENKOMPETENZ

Wie Entwickler ihre Verantwortung für die Kindermediennutzung wahrnehmen sollten

Patric Faßbender, Founder und Geschäftsführer Boxine GmbH

Patric Faßbender, Founder und Geschäftsführer Boxine GmbH [Quelle: Boxine]


"Entwickler sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und dafür sorgen, dass sie aktiv zur Förderung von Medienkompetenz beitragen", sagt Patric Faßbender, Founder und Geschäftsführer Boxine GmbH. Das Unternehmen bietet mit der Toniebox ein erfolgreiches und innovatives Device für Kinder an.


Immer mehr digitale Audioangebote, wie bsw. die extrem erfolgreiche Toniebox, erobern das Kinderzimmer. Was ist das Besondere an der Toniebox?
Vor allem das sehr simple und kindgerechte Bedienkonzept. Kinder können autark und ohne Hilfe jederzeit das Hören, was sie möchten. Mit den Tonies haben wir digitalen Inhalt wieder anfassbar gemacht, ihm eine Form gegeben, die auch noch durch die Figuren einen hohen spielerischen und emotionalen Mehrwert haben. Dabei spielt die Haptik eine große Rolle, durch die weiche und robuste Anmutung wird die Toniebox von Kindern sofort als „ihr“ Device wahrgenommen. Ein im Kern sehr digitales innovatives Konzept, dem man es aber nicht ansieht.

Für welche Altersgruppen ist die Toniebox geeignet und welches Feedback bekommen Sie von den Verbrauchern?
Es ist für Kinder ab drei bis zehn Jahren gedacht. Hier sind vor allem die Tonies mit den entsprechenden Hörspielen, Hörbüchern oder Musik entscheidend. Haben wir zum Start hin angenommen, dass vor allem Vorschulkinder als Zielgruppe Sinn machen, merken wir immer stärker, dass auch Kinder im Grundschulalter die Toniebox lieben. Daher haben wir in den vergangnenen Monaten auch mehr Tonies für diese Altersgruppe entwickelt und bauen diesen Bereich immer weiter aus. Das Feedback ist überwätigend! Wir bekommen so tolle E-Mails, Briefe, Bilder oder Filme geschickt, dass uns jedesmal richtig warm ums Herz wird. Es ist einfach großartig zu sehen, wie die Toniebox in vielen Kinderzimmern einen festen Platz einnimmt und zum täglichen Ritual wird. Viele viele Kinder nehmen die Toniebox überlal mit hin. Das ist für uns einfach nur phantastisch zu sehen!

Welche Herausforderungen stellen digitale Spielformen generell an die Medienkompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen?
Wir bei den Tonies glauben nicht daran, dass sich die Kids an digitale Spielformen anpassen müssen - sondern im Gegenteil, die Entwickler sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und dafür sorgen, dass sie aktiv zur Förderung von Medienkompetenz beitragen, anstatt Herausforderungen zu stellen. Dafür ist die Welt schon komplex genug. Deshalb sehe ich auch bei den Herstellern eine gewisse Verantwortung Produkte zu entwickeln, die altersgerecht sind. Natürlich muss man hier auch die Eltern mit einbeziehen, die bei der Auswahl von Produkten manchmal etwas unbedacht vorgehen. Nur weil ein Kleinkind schon auf einem Smartphone „touchen“ kann, muss es nicht unbedingt Sinn machen und ist erst recht kein Beweis von vorhandener Medienkompetenz. Diese erlangen Kinder vor allem durch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen im Zusammenspiel mit Eltern und Erziehern in Kitas bzw. Schule.

Sollten Politik und Medienbehörden die Selbstregulierung und Selbstverantwortung der Hersteller fördern? Welche ethischen Grundsätze gelten bsw. für die Hersteller der Toniebox?
Mag sein, dass das ein Weg ist. Aber wichtiger ist es aus meiner Perspektive wie oben angedeutet Eltern und Bildungseinrichtungen ein Rüstzeug zu diesem Thema mitzugeben. Regulierungen machen vielleicht Sinn, werden das Thema aber nicht lösen. Wir machen uns bei den Tonies jedenfalls permanent Gedanken über unsere Verantwortung als Hersteller. Für uns ist das Thema Hören ein ungemein wichtiges. Kinder werden in der Entwicklung von Sprache nachweislich durch „Hören“ gefördert. Am schönsten ist sicherlich das Vorlesen. Aber daneben ist das Hören von Hörspielen oder Hörbüchern ein wichtiges Element. Wir haben bei der Toniebox ganz bewusst ein Display weggelassen, da wir nicht wollten, dass Kinder wie gebannt auf eine rechteckige leuchtende Fläche starren, sondern sich auf den Inhalt konzentrieren können und im Idealfall in Traumwelten eintauchen und einen regelrechten „Flow-Moment“ erlangen. Wenn dann noch eine spielerische Komponente hinzukommt, was wir sehr häufig so erleben, dann haben wir wahnsinnig viel erreicht!