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Interview14.07.2026

Was KI in den Lokalmedien kann - und was nicht

Wie sich der Markt in Österreich durch neue Trends verändert

Friedrich Dungl - Geschäftsführender Präsident, Verband der Regionalmedien Österreichs Quelle: VRM Friedrich Dungl Geschäftsführender Präsident Verband der Regionalmedien Österreichs
INITIATORIN DIESER FACHDEBATTE
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info
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"Nicht nur der Medienmarkt, sondern alle Werbeträger leiden unter dem Marktversagen", sagt Friedrich Dungl vom Verband der Regionalmedien Österreichs mit Blick auf die Marktmacht der internationalen Plattformen. Er spricht über die Chancen und Herausforderungen von KI für seine Branche und formuliert Erwartungen an die Politik. 





Konzentration auf dem Medienmarkt, Dominanz der großen Plattformen auf dem Werbemarkt - wie sehen Sie die Lage der Lokal-Medien in diesem Umfeld?
Nicht nur der Medienmarkt, sondern alle Werbeträger leiden unter dem Marktversagen. In Österreich können wir durch die Gegenüberstellung von Werbeabgabe und Digitalsteuer belegen, dass die Big-Tech Plattformen bereits doppelt soviel Werbeumsatz generieren, wie alle klassischen Werbeträger (ORF, Privatsender, Zeitungen, Zeitschriften, Plakat etc) zusammen! Dieser Entwicklung können sich die Lokal-Medien nicht entziehen, auch wenn ihre Beliebtheit und Reichweite nach wie vor ungebrochen ist. Die unvermeidliche Konzentration auf dem Medienmarkt bringt zwar Synergien, aber am Ende wird es doch neue Geschäftsmodelle zur Finanzierung brauchen. Gleichzeitig leidet die Meinungsvielfalt unter den Zusammenlegungen.

Soziale Medien, Streaming-Portale, Podcasts - welche Chancen und Herausforderungen bringt die Vielfalt der Ausspielwege und Inhaltsformate für Lokal-Medien und ihre Markenbildung? 
Multi-Channel Ausspielung ist natürlich reizvoll und bietet sich gerade für lokale Communities an. Gleichzeitig steigt die Gefahr sich zu verzetteln. Darüber hinaus ist das Geschäftsmodell für diese Kanäle definitiv (noch?) nicht tragfähig. Und ein Selbstzweck darf es natürlich nicht sein. Ich halte es für einen Fehler zu sagen: "Wir müssen jetzt auch etwas auf tiktok machen!" Warum muss man, wenn man dafür keine passenden Inhalte hat?

Mit KI lassen sich preiswert Inhalte produzieren und vermarkten sowie Prozesse optimieren - wo sehen Sie die Chancen von KI für den Lokal-Journalismus und wo die Grenzen für ihren Einsatz?
Für einfache und repetitive Tätigkeiten, sowie für ähnlich wiederkehrende Inhalte ist die automatische Generierung von Content bestens geeignet. Beispiele sind Blaulicht-Meldungen, Sportberichte oder Event-Kalender. Agentic AI hilft Prozesse abzukürzen und unterstützt Redaktionen bei der Konzentration auf das Wesentliche. Nämlich Agenda-Setting und die Produktion hochwertiger Inhalte. Denn KI ist nicht in der Lage ein Thema aufzuspüren, das noch gar keines ist. Und genau das ist die Aufgabe von Journalismus. Vorgänge zu beleuchten, die bislang noch nicht wahrgenommen wurden. Wenn der Text anschließend von einer KI in die unterschiedlichen Ausgabeformate gebracht wird, ist das völlig legitim. Aber die eigentliche journalistische Kreativität muss von Menschen kommen. Was nicht passieren darf: Die Einsparungen, die KI bringt, gehen zu Lasten der Qualität der Inhalte. Wenn Lokalmedien ihre Relevanz verlieren, haben sie auch keine Daseinsberechtigung mehr.

Welche Unterstützung für Lokalmedien wünschen Sie sich von der Politik?
Ein ehrliches Bekenntnis zur Bedeutung von Lokaljournalismus als Basis der Demokratie. Städte und Gemeinden sind die unmittelbare Kontaktebene zu Bürger:innen. Und diese brauchen lokale Medienkanäle, die auch genutzt werden. Die Mitglieder des VRM bieten kostenlose und niederschwellige Information für Alle. Sie brauchen leider Förderungen um die Disruption durch Big-Tech Giganten auszugleichen und sie brauchen faire Konditionen für die Zustellung ihrer Produkte. Gerade im dünn besiedelten ländlichen Raum Österreichs, in dem die Verbreitung sehr teuer ist. Google, Facebook und Co bauen ihre (sehr erfolgreichen) Geschäftsmodelle auf dem Content auf, den sie den Medienunternehmen stehlen. Hier sind Ausgleichszahlungen zu fordern, die diesem hohen Wert auch tatsächlich entsprechen und nicht nur Brosamen sind!

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