Am 5. Juli startete das NDR-Schlagerradio „NDR Plus“. Was steckt hinter den Plänen für die Schlagerwelle?
Im Kern sind es zwei Gründe, die uns zu NDR Plus bewogen haben: Wir möchten den Menschen in Norddeutschland ein attraktives, neues Radioprogramm vornehmlich mit deutschsprachigen Titeln und Schlagern bieten. Und wir versprechen uns von dieser Ergänzung des NDR Hörfunkangebots, das jetzt mit der Änderung des NDR Digitalradio Staatsvertrags möglich war, auch eine Stärkung des digital-terrestrischen Verbreitungswegs DAB+, der als eigenständiger Radioübertragungsweg für die Zukunft der Gattung von großer Bedeutung ist.
Welche Zielgruppen wollen Sie mit dem neuen Programm ansprechen?
Alle Hörerinnen und Hörer, die Schlager und Evergreens mögen und die für ein solches Klangbild Sinn und Geschmack haben. Diese Musikrichtung wird mutmaßlich eher von älteren Menschen bevorzugt. Wir wissen aber, dass beispielsweise Helene Fischer oder Andrea Berg mit ihren Konzerten auch ein jüngeres Publikum begeistern können.
Das ändert nichts an der Richtigkeit der generellen Betrachtung. Denn aus zahlreichen Studien zur Musik im Radio wissen wir, dass das Interesse am Schlager stetig abnimmt. Deshalb haben die Landesprogramme des Norddeutschen Rundfunks in den vergangenen Jahren ihr Musikprogramm dieser Entwicklung schrittweise angepasst. NDR Plus ist also ein Zusatzangebot für all jene, die dieses Genre unverändert schätzen.
Entsteht mit dem neuen Programm Konkurrenz zum privaten Schlagerradio oder wird es eine eigene „norddeutsche“ Farbe geben?
NDR Plus soll hörbar norddeutsch sein. Deshalb legen wir ein besonderes Augenmerk auf norddeutsche Künstler wie Freddy Quinn, die Gruppe Godewind, Hans Hartz und Santiano. Zudem senden wir jeweils zur vollen Stunde Nachrichten, die für unsere Hörerinnen und Hörer im Norden gemacht werden, wir bieten einen ausführlichen Verkehrsservice über die Lage auf den Straßen zwischen Flensburg und Göttingen, Anklam und Lingen an. Und wenn nötig, gibt es auch Informationen zu Bahn- und Fährverbindungen.
Das Programm wird neben Internetstreams nur über DAB+ und nicht über UKW verbreitet. Wird damit Digitalradio im Norden gestärkt?
Das war und ist unsere Absicht, denn das UKW Netz ist ausgereizt. Neue, ergänzende Programmangebote können wir nur über digitale Sendewege machen. Der NDR wie der Hörfunk in der gesamten ARD verfolgen hier eine sogenannte Hybridstrategie. Das heißt, wir setzen in der digitalen Verbreitung unserer Radioprogramme einerseits auf das Netz, also das Streaming und damit den Empfang über die verschiedenen Online-Player, auf Plattformen und Apps. Andererseits halten wir einen originären Hörfunkverbreitungsweg für unverändert wichtig. Nur so können wir einen diskriminierungsfreien, von Interessen Dritter unabhängigen Empfang unserer Programme in sehr guter Audioqualität gewährleisten.
Für NDR Plus wird der digitale Verkehrskanal NDRTraffic eingestellt. Waren Sie mit der Entwicklung des Kanals nicht zufrieden und werden über NDR Plus auch innovative Verkehrsnachrichten verbreitet?
NDR Traffic war ein automatisierter Ansagedienst für Verkehrsmeldungen. Inzwischen sind immer mehr Fahrzeuge mit Navigationsgeräten ausgestattet, die heute schon die Informationen aus dem NDR Verkehrsstudio als TMC-codierte Meldungen erhalten. Künftig werden die Autofahrer ebenfalls über DAB+ einen digitalen Verkehrsservice nach dem TPEG Protokoll bekommen, schneller und präziser als bisher. Selbstverständlich bleibt es in unseren Radioprogrammen beim On-Air-Service, also dem vom Moderator/Moderatorin präsentierten Meldungen – und dies gilt auch für NDR Plus. Ich gehe davon aus, dass DAB+ den Verkehrsservice in Zukunft wesentlich verbessern wird.

