Wie stark ist die Bankenwelt aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung im Umbruch? Ist das „klassische“ Banken- und Kreditgeschäft obsolet?
Die Digitalisierung beeinflusst schon heute nahezu jeden Geschäftsbereich der Sparkassen und Banken. Ich mache diese mal am Beispiel des viel diskutierten Bereichs Umbau des Filialnetzes deutlich: Der durchschnittliche Kunde kommt heute einmal jährlich in die Filiale, hat aber weit über 100 mal im Jahr Kontakt mit seiner Sparkasse über die App auf seinem Smartphone. Durch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen verändert sich auch die Erwartung der Kunden an unsere Dienstleistungen, er vergleicht uns immer stärker auch branchenübergreifend bezüglich Bequemlichkeit, Aktualität und Qualität. Zudem will der Kunde stärker selbst bestimmen. Das ist natürlich ein Umbruch. Aber es ist wichtig zu verstehen, dass wir uns nicht zurückziehen, sondern dorthin gehen, wo der Kunde ist. Deshalb bauen wir die Online-Zugangswege zu den Sparkassen massiv aus. Aber immer auch unter Einsatz des persönlich bekannten Beraters. Wir gestalten das Geschäftsstellennetz um, weil wir die Beratungsqualität in den verbleibenden Filialen erhöhen wollen. Wir wissen, dass auch junge und online-affine Sparkassenkunden die Filiale als bevorzugten Ort zur Beratung rund um Finanzprodukte wertschätzen.
Sparkassen wollen künftig alle Plattformen multimedial für Kunden und Berater verknüpfen, um den Vertrieb zu fördern. Kunde und Berater sollen jederzeit ohne Unterbrechung zwischen den Vertriebswegen wechseln können.
Wir werden die Digitalisierung nicht als Selbstzweck betreiben, sondern wir wollen die Digitalisierung nutzen, um unser Geschäftsmodell als regional verankerte Sparkasse mit dem persönlichen Kontakt weiter zu verbessern. Der persönliche Kontakt zu einem Berater, dem ich mein Vertrauen schenke, ist durch nichts zu ersetzen. Gerade hier sind die 409 Sparkassen stark!
Mit welchen Innovationen und Geschäftsfeldern reagiert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) als der Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe mit 409 Sparkassen auf das sich stark verändernde Marktumfeld?
Die Hälfte aller Deutschen führt das Hauptkonto bei einer Sparkasse, mehr als 42 Prozent unserer Kunden nutzen fast nur noch Online-Banking. Damit sind wir die größte Online-Bank Deutschlands. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist meiner Einschätzung mindestens so gut auf die Digitalisierung vorbereitet wie alle anderen Branchen der deutschen Real- und Finanzwirtschaft auch. Unsere Aufgabe als Marktführer ist es, Innovationen für die Breite unserer Kundschaft zu entwickeln. Dadurch unterscheiden wir uns entscheidend von den vielen Nischenanbietern, die derzeit auf den Markt drängen.
OSPlus_neo und die Internet-Filiale 6 sind die Basis der Digitalisierungsstrategie der Sparkassen-Finanzgruppe. Im Rahmen der kontinuierlichen Weiterentwicklung arbeiten wir mit Hochdruck an der Integration der Kanäle. Ebenfalls ganz oben auf der Agenda ist die weitere Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Wir freuen uns, dass wir „paydirekt“ unseren Kunden in Kürze anbieten können und gehen davon aus, dass es seinen Markt sehr schnell finden wird und dass alle Institute im Laufe des Jahres mitmachen werden. Weitere innovativen Zahllösungen, die alle das Ziel haben unseren Kunden zu helfen ihr Leben leichter zu gestalten, sind kontaktlose Zahlungsmöglichkeiten oder auch P2P-Zahlungen. Wir planen, noch in diesem Jahr innerhalb der Sparkassen-App eine P2P-Lösung auf den
Markt zu bringen. Damit sind wir quasi über Nacht per Update Marktführer in diesem Segment.
Wie bewerten Sie die Geschäftsmodell der sogenannten Fintechs? Sind diese eine Gefahr für die klassische Bankenwelt oder wird die Schlagkraft dieser Institutionen überschätzt?
Fintechs suchen sehr kundenorientierte Lösungen für homogene Gruppen, sie nutzen dafür professionell die technischen Möglichkeiten aus - mitunter auf Kosten der Sparkassen und Banken. Darüber hinaus sind Internet-Giganten unterwegs und versuchen mit ihren Möglichkeiten der Technik, der Marke und des Kundenvertrauens in das Bankgeschäft einzutreten. Wir werden uns den Fintechs nicht verschließen. Dies kann von der Gründung eigener Fintechs, über Kauf und Kooperation bis zur Bereitstellung von Infrastrukturen zum gemeinsamen Testen reichen. Bei den Themen Kundenvertrauen und Datenschutz sehe ich aber einen ganz klaren Vorteil für die deutschen Sparkassen gegenüber den Angreifern aus dem Nicht-Banken-Sektor.
Das amerikanische Start-ups SoFi will zusammen mit seinem neuen Berater Anshu Jain an einer Welt ohne Banken arbeiten? Wie realistisch und sinnvoll ist diese Kampfansage?
Ich glaube nicht an eine Welt ohne Banken. Schauen Sie sich die Welt der Medien an: Das Radio hat nicht die Zeitung, das Fernsehen nicht das Radio ersetzt. Das Internet steht heute an der Spitze der Mediennutzung, aber es gibt nach wie vor Zeitungen, Radiosender und Fernsehformate mit Anspruch und großer Reichweite. Es gilt, sich dem verändernden Zeitgeist und den neuen Technologien anzupassen.
Ihre Prognose: Wie sieht die Bankenwelt 2026 aus?
Die Sparkassen sind nach wie vor Marktführer und das deutsche Bankensystem mit seinen drei Säulen hat seine Solidität unter Beweis gestellt. Die Sparkassen haben deshalb ihre Marktposition verteidigt, weil sie die Bedürfnisse ihrer Kunden erkannt und ernst genommen haben, mit leicht zu bedienenden und sicheren Services machen die Sparkassen es ihren Kunden einfacher, ihr Leben zu gestalten. Die Sparkassen sind in der Lage, im Interesse und auf Wunsch der Kunden deren Daten präzise auszuwerten und sie somit noch maßgeschneiderter zu beraten und bei der Lebensplanung und im Alltag zu unterstützen.

