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16.12.2019
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VERBAND FORDERT BUNDESREGIERUNG IN SACHEN E-SPORT ZUM HANDELN AUF

Was sich für die E-Sportler ändern sollte

Felix Falk, Geschäftsführer game - Verband der deutschen Games-Branche e.V.

Felix Falk, Geschäftsführer game - Verband der deutschen Games-Branche e.V. [Quelle: game / Dirk Mathesius]


"Eine offizielle Anerkennung von eSports würde lokalen Vereinen in vielerlei Hinsicht helfen", erklärt game-Geschäftsführer Felix Falk. Die E-Sportler könnten etwa dagegen helfen, dass Sportvereine unter einem nachlassenden Interesse insbesondere von Jugendlichen leiden. Außderem könnten Sportvereine mit eSports-Abteilungen auch bei der Medienkompetenzvermittlung eine wichtige Arbeit leisten. Nun ist aus seiner Sicht die Politik gefordert.


Ein Gutachten im Auftrag des DOSB kommt zu dem Ergebnis, dass E-Sport kein Sport ist, u.a. da es an der Körperlichkeit fehle. Wie bewerten Sie das?
Dieser Einschätzung des Juristen Peter Fischer widersprechen eindeutig die Sportwissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln. Denn diese haben längst festgestellt, dass eSports-Athleten während Wettkämpfen enormen körperlichen Belastung ausgesetzt sind. So liegt der Cortisol-Spiegel professioneller Spielerinnen und Spieler während eines Matches ungefähr auf dem Niveau eines Rennfahrers. Die Herzfrequenz von 160 bis 180 Schlägen pro Minute entspricht fast dem Puls eines Marathonläufers. Außerdem bedienen eSports-Profis bis zu 400 Mal ihre Eingabegeräte pro Minuten, was ein extremes Maß an Genauigkeit und Feinmotorik verlangt. Auch wenn die Körperlichkeit bei eSports vielleicht nicht so offensichtlich sein mag wie bei anderen Sportarten, kann von einem Fehlen nicht die Rede sein. Ganz abgesehen davon, dass eine solche Absprache dem Engagement und Training der eSports-Athleten in keiner Weise gerecht wird. Und eSports-Athleten im Sinn eines ganzheitlichen Trainings natürlich auch körperliches Training im Fitnessstudio oder auf dem Fußballplatz absolvieren.   

Dem Gutachten zufolge lässt sich die vom DOSB festgelegte Unterscheidung zwischen Sportsimulationen und eGaming nicht aufrechterhalten. Was bedeutet das für die Zukunft?
Das DOSB-Gutachten bestätigt in diesem Punkt unsere Haltung: Die Einheit des eSports ist nicht verhandelbar. Genauso wie der Sport aus unterschiedlichen Disziplinen besteht, hat auch eSports seine Disziplinen. Hier sind es die verschiedenen Computer- und Videospiele, in denen die Athletinnen und Athleten in Teams oder als Einzelkämpfer gegeneinander antreten.

Gleichzeitig wird hier auch die Widersprüchlichkeit in der DOSB-Logik deutlich: Sollte – wie an anderer Stelle des Gutachtens behauptet – eSports die Körperlichkeit fehlen, würde dies auch für virtuelle Sportsimulationen gelten. Diese werden jedoch akzeptiert. Das eigens in Auftrag gegebene Gutachten zeigt daher abermals, dass die Positionierung des DOSB zu eSports rein strategisch vorgenommen wurde und sich nicht an der tatsächlichen Natur des digitalen Sports orientiert.

Nun liegt das Rechtsgutachten vor – wie geht es aus Ihrer Sicht in dem Streit um die Einstufung von E-Sport als Sport weiter?
Der DOSB muss jetzt entscheiden, ob er eSports in seiner gesamten Vielfalt anerkennen will, so wie es viele Sportvereine längst tun, oder ob er weiter die Augen vor der Zukunft verschließt. Die Politik ist da schon viel weiter: Auf der gamescom haben sich alle Generalsekretäre der Parteien während des „Debatt(l)e Royale“ klar für die Anerkennung von eSports als Sport ausgesprochen. Mehr noch, sie haben den DOSB vor einer „schweren Fehlentscheidung“ gewarnt. Die Bundesregierung sollte deshalb nun, ungeachtet der DOSB-Strategie, ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag einlösen und die Abgabenordnung anpassen. Das ist notwendig, damit die Entwicklung von eSports in Deutschland nicht weiter unnötig gebremst wird.

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Förderung von E-Sport enthalten – wofür braucht es die Anerkennung als Sport für den E-Sport überhaupt?
Eine offizielle Anerkennung von eSports würde lokalen Vereinen in vielerlei Hinsicht helfen: So besteht für deutsche eSports-Vereine aufgrund der fehlenden Anerkennung bisher keine Möglichkeit zur Gründung steuerrechtlich als gemeinnützig anerkannter Sportvereine. Und auch eine Unterstützung durch staatliche Leistungen im Sinne der Sportförderungsgesetze auf Landesebene ist bisher nicht möglich. Klassischen Sportvereinen, die eSports-Abteilungen gründen möchten, droht wiederum der Verlust der eigenen Gemeinnützigkeit.

Diese und zahlreiche weitere Einschränkungen behindern die Entwicklung als Breitensport. So leiden viele Sportvereine unter einem nachlassenden Interesse insbesondere von Jugendlichen. Gleichzeitig könnten Sportvereine mit eSports-Abteilungen auch bei der Medienkompetenzvermittlung eine wichtige Arbeit leisten. Diese gesellschaftlichen Potenziale bleiben mit der aktuellen Regelung aber leider immer noch ungenutzt.