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23.09.2018
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TWITTER UNGEEIGNET FÜR DIFFERENZIERTE POLITISCHE BOTSCHAFTEN

Welche digitalen Fallen es für Politiker gibt

Kurt Beck, Ministerpräsident a. D., Vorstandsvorsitzender Friedrich-Ebert-Stiftung

Kurt Beck, Ministerpräsident a. D., Vorstandsvorsitzender Friedrich-Ebert-Stiftung [Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung ]


"Nach wie vor halte ich es für richtig, dass über Nachrichten, Informationen und Sachverhalte elektronisch gut kommuniziert werden kann", sagt der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck, der heute u.a. der Friedrich-Ebert-Stiftung vorsitzt. Doch Twitter und Co schaffen kein Vertrauen.


Jeder Spruch, jede Verfehlung wird im Internet für große Zeiträume gespeichert. Wie verändern sich dadurch die Anforderungen an Politiker?
Politiker müssen ihre Interviews und Äusserungen im Internet immer vorsichtiger formulieren, um sie nicht missverständlich verwendet zu finden.

Twittern zu jedem Anlass – Politiker müssen immer schneller auf Ereignisse reagieren. Wie wirken sich Geschwindigkeit und Verkürzung auf die Politik aus?
Twitter halte ich für sehr begrenzt geeignet, um politische Botschaften zu verbreiten, zumal es wie in den meisten Themen um Differenzierung geht. Der amerikanische Präsident Trump richtet mit seinen Tweets schon genug Unheil an.

Oft werden (soziale) Medien auch direkt aus Sitzungen, Verhandlungen oder Konferenzen bedient. Was bedeutet das für die Arbeit von Politikern?
Aus laufenden Sitzungen/ Veranstaltungen oder Konferenzen über die sozialen Medien zu kommunizieren ist in der Regel dazu geeignet, Ergebnisse zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Gerade die Politik muss sorgfältig auf dieses Risiko achten.

In sozialen Medien können Politiker mit Wählern in Kontakt treten, direkte Zustimmung oder Ablehnung erleben. Ist das ein Vorteil für die Arbeit von Politiker oder nur zusätzliche Belastung?
Der direkte Kontakt zwischen Politiker und Wähler ist prinzipiell gut. Ob über soziale Medien dieses Ziel aber wirklich erreicht wird, halte ich für fragwürdig. Das Problem ist nicht die Arbeitserschwernis.

Wo liegt das eigentliche Problem aus Ihrer Sicht?
Nach wie vor halte ich es für richtig, dass über Nachrichten, Informationen und Sachverhalte elektronisch gut kommuniziert werden kann. Wenn es aber darum geht persönliches Vertrauen aufzubauen, halte ich die persönliche Kommunikation für unabdingbar, denn erst dann, wenn eine solche vertiefte Vertrauensbasis besteht, öffnen sich die Menschen und man erfährt wie die Lebenswirklichkeit ist und wie sie denken und fühlen.