MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
19.08.2018
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

TECHNISCHE SMARTPHONE-SPERREN BEIM GEHEN?

Warum Bodenampeln keine optimale Lösung für Swombies sind

Ralf Habbes, DSW21-Betriebsleiter und Leiter Technik

Ralf Habbes, DSW21-Betriebsleiter und Leiter Technik [Quelle: DSW21]


"An einzelnen Stellen Bodenampeln zu installieren", hält Ralf Habbes von der Verkehrsabteilung der Dortmunder Stadtwerke (DSW21) für "nicht zielführend". Zur Gefährdungsreduzierung brauche es "einen ganzheitlichen und mit der Stadt abgestimmten Ansatz".


Was halten Sie von der Kölner Idee (Kölner Verkehrsbetriebe), mit Bodenampeln die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen?
Zur Gefährdungsreduzierung benötigen wir einen ganzheitlichen und mit der Stadt abgestimmten Ansatz. Denn im Straßenverkehr tritt die gleiche Problematik wesentlich häufiger als an Bahnübergängen auf. Hier hat der Gesetzgeber bislang keinen Bedarf gesehen, die einschlägigen Signalisierungsarten im Verkehr zu erweitern. An einzelnen Stellen Bodenampeln zu installieren, ist daher aus unserer Sicht nicht zielführend.

Die Zuverlässigkeit solcher Systeme erfordert zudem einen sehr hohen Wartungsaufwand, da im Boden verbaute elektronische Systeme wesentlich stärker mechanischen Beanspruchungen ausgesetzt sind. Es muss auch sichergestellt sein, dass die Bodenampeln jederzeit sichtbar sind, z. B. auch bei Schnee. Wer übernimmt dann die Verantwortung, wenn ein solches System ausfällt oder witterungsbedingt nicht sichtbar ist? Schließlich wäre noch zu untersuchen, ob jemand, der durch sein Smartphone abgelenkt ist, die Bodensignale anders als im Hintergrund angezeigte Standardsignale wahrnimmt.

Wie groß schätzen Sie das Gefahrenpotential durch übermäßige Smartphone-Nutzung in Ihrer Stadt tatsächlich ein?
Wir untersuchen jeden Unfall und werten Kameraaufzeichnungen aus, soweit diese zur Verfügung stehen. In Dortmund ist das beschriebene Phänomen nicht ausgeprägt, was aber nicht bedeutet, dass es nicht im Einzelfall auftreten kann. In der Regel führen Eile, Unachtsamkeit und spontane, schnelle Richtungswechsel zu Unfällen oder Gefährdungssituationen. Da die Personen vor dem Betreten des Schienenüberwegs oft noch andere Wege und / oder Straßen überqueren – und das nicht immer an den dafür vorgesehenen Stellen, ist hier der bereits angesprochene ganzheitliche Ansatz zu verfolgen und die Gesellschaft zu sensibilisieren, die installierten Systeme und die Regeln zu beachten.

Was tun Sie in Ihrer Stadt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen? Wie sieht Ihre Idee für einen urbanen und sicheren Stadtverkehr aus?
Wir verbessern kontinuierlich die Sicht auf mögliche Gefährdungsbereiche z.B. durch den Rückschnitt von Sträuchern, bringen ggf. eine zusätzliche Beschilderung an und installieren sogenannte „Z-Gitter“, um ein schnelles Überqueren zu verhindern. Selbstverständlich werden auch unsere Fahrdienstmitarbeiter im Hinblick auf Prävention, Reaktion und Warnhinweise regelmäßig geschult. Elektronische Vorankündiger, die Abfahrtszeiten anzeigen, zusätzliche Sicherheits- und Servicekräfte bei Sonderveranstaltungen oder ein kontrollierter Zugang zu den Bahnsteigen bei Sonderveranstaltungen sind weitere Maßnahmen.

Sollte der Gesetzgeber den Missbrauch von Smartphones im Straßenverkehr stärker ahnden?
Diese Frage ist durch den Gesetzgeber zu beantworten, zumal wir dieses Phänomen so nicht bestätigen können. Ein anderer Ansatz wäre, auf die Hersteller einzuwirken, die Monitore der Geräte, die im Regelfall über Schrittzähler verfügen, softwaretechnisch beim Gehen abzuschalten. Dies würde flächendeckend präventiv wirken.