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23.09.2019
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SPORTRECHTLER HOFFT AUF EINE MILLARDE EURO FÜR BUNDESLIGA-RECHTE

Wo die Probleme bei den Bundesliga-Rechten liegen

Dr. habil. Martin Stopper, Partner in der Kanzlei LENTZE . STOPPER

Dr. habil. Martin Stopper, Partner in der Kanzlei LENTZE . STOPPER [Quelle: privat]


Wie sollte die Bundesliga im TV zu sehen sein und was sollten die Clubs davon haben? Dr. Martin Stopper ist Gründungspartner der Münchner Rechtsanwaltskanzlei Lentze Stopper, die im Sportrecht arbeitet. Er ist Experte im Medienkartellrecht und hat mehrere Ausschreibungsverfahren in der Bundesliga rechtlich begleitet.


Für die neue Vergabe der Fußball-TV-Rechte soll nach Medienberichten eine „No Single Buyer Rule“ gelten, nach der nicht mehr ein Anbieter alle Spiele zeigen darf. Was versprechen Sie sich davon?
Genau gesagt wird darüber spekuliert, ob die Live-Spiele im Pay-TV von mehr als einem Sender erworben werden müssen. Das Bundeskartellamt hat schon vor der letzten Ausschreibung verdeutlicht, dass die Erforderlichkeit einer „No single buyer rule“ von den angebotenen Rechtepaketen sowie von der tatsächlichen Natur der Nachfrage abhängt. Zweck der Regelung ist es, dass auch kleineren Anbietern der Eintritt in diesen Markt ermöglicht wird – und dieser Eintritt soll durch die Wettbewerbsbehörde angemessen reguliert werden, denn die Medienrechte an der Bundesliga stellen aus deren Sicht einen überragenden Anteil auf dem für die Nachfrager relevanten Markt dar.

Ich verspreche mir nicht viel davon, sollte diese Regel für die Bundesliga-Ausschreibung zur Anwendung kommen. Die Gestaltung von Rechtepaketen sollte zwar grundsätzlich ermöglichen, dass sich das Angebot nicht nur auf einen Nachfrager reduziert. Da sich aber jeder Rechterwerber selbst dazu zwingen muss und wird, etwas anzubieten, das die Zuschauer in Deutschland anzieht, kann man es getrost dem Markt überlassen, die entsprechende wettbewerbliche Dynamik zu entwickeln – ob nun durch single oder multiple buyer.

Mehrere Anbieter bedeuten für den Fan, er muss mehrere Pakete buchen, um alle Spiele live sehen zu können. Ist das zumutbar?
Das ist natürlich unzumutbar. Zumal wird der Zugang der Endverbraucher zum „Ligaprodukt“ ja durch das Bundeskartellamt ausdrücklich als vorteilhafter Ausfluss der Zentralvermarktung gesehen. Den Vorteil kann man jetzt nicht hintenherum durch eine strukturfremde „No-Single-Buyer-Rule“ wieder einreißen. Andererseits besteht natürlich immer die Chance, dass sich Erwerber komplementärer (sich ergänzender) Rechtepakete zusammentun, und ein konsumentenfreundliches Paket zusammenbasteln, damit der Zuschauer nicht mehrere Pakete kaufen muss – das funktioniert in England übrigens auch.

Im Gespräch sind auch neue Modelle für die Verwertung im Free-TV. Wie viel Fußball sollte optimalerweise wann im Free-TV zu sehen sein?
Optimal für wen? Aus Sicht der Liga und der Clubs muss der Weg ins Pay-TV führen. Damit kann man mehr erlösen. Das stärkt die wirtschaftliche Kraft der Clubs und somit ihre sportliche Wettbewerbsfähigkeit auf europäischer Ebene. Und darüber freut sich dann wieder der Zuschauer – ein gegenteiliger Standpunkt lässt sich übrigens genauso gut begründen, denn das ist eine politische Frage.

Viele (Spitzen-)Vereine blicken auf die riesigen TV-Rechte-Summen in England. Wie hoch müsste der der Gesamtwert der TV-Pakete sein, damit der deutsche Fußball nicht abgehängt wird?
Am besten natürlich so hoch wie in England, also ca. 2,3 Milliarden! Das ist aber gänzlich unrealistisch. Schön wäre eine Steigerung von den bestehenden 663 Mio. auf 1 Milliarde Euro pro Jahr.

Nach Medienberichten werden auch verschiedene neue Verteilungsmechanismen zwischen den Vereinen in erster und zweiter Bundesliga diskutiert. Wie sollte das Geld sinnvollerweise verteilt werden?
Diese Frage ist die politischste. Bestehen die beiden Ligen aus 36 oder 21 Vereinen? Das heißt übersetzt: Wenn man eine kompetitive 2. Bundesliga will, darf die 2. Bundesliga gegenüber der Bundesliga finanziell nicht weiter abgehängt werden. Will man das nicht, hat man 18 Bundesligavereine plus 3 Zweitligisten, die sich regelmäßig bei Auf- und Abstieg die Klinken in die Hand geben. Die echten Verteilungsprobleme liegen jedoch ganz woanders: Die immensen Zahlungen aus der Champions League lassen für Chancengleichheit in der Bundesliga keinen Raum.