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19.08.2019
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RMV ERWARTET 30 PROZENT MEHR FAHRGÄSTE BIS 2030

Wie Seilbahnen bei Kapazitätsausbau helfen können

 Prof. Knut Ringat, Sprecher der Geschäftsführung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes

Prof. Knut Ringat, Sprecher der Geschäftsführung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes [Quelle: RMV/ Holger Peters]


Für den Sprecher der Geschäftsführung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Prof. Knut Ringat, liegt ein wesentlicher Vorteil von Seilbahnen auf der Hand: Sie können "sehr schnell gebaut werden, und wenn das Planungsverfahren glatt läuft, kann so ein Projekt innerhalb von wenigen Jahren umgesetzt werden." Aber das ist nicht das Einzige, was für die Seilbahnen spricht.


Eine ganze Reihe von Städten prüft die Errichtung von Seilbahn-Linien für den Personennahverkehr. Welche Vorteile bieten Seilbahnen im innerstädtischen Verkehr?
Seilbahnen sind kein Allheilmittel für die Herausforderungen des öffentlichen Nahverkehrs, können aber punktuell den ÖPNV sinnvoll ergänzen. Wo Steigungen, Flüsse oder andere Barrieren wie Autobahnen den Ausbau des Bus- und Bahnangebots schwer machen, können Seilbahnen eine gute Alternative bieten, um Lücken zwischen Punkten mit hoher Nachfrage zu schließen.

Immer mehr Menschen fahren mit dem RMV, was uns natürlich sehr freut. Bis 2030 erwarten wir 30 Prozent mehr Fahrgäste. Um die Nachfrage bedienen zu können, haben wir viele Infrastrukturprojekte auf den Weg gebracht. Der Schienenausbau benötigt aber viel Zeit. Deshalb prüfen wir gerade, ob und wo Seilbahnen unser Verkehrskonzept sinnvoll ergänzen können. Denn ein weiterer Vorteil liegt in ihrer schnellen Umsetzbarkeit: Eine Seilbahn kann sehr schnell gebaut werden, und wenn das Planungsverfahren glatt läuft, kann so ein Projekt innerhalb von wenigen Jahren umgesetzt werden. Außerdem gibt es bei Seilbahnen keine Staus oder Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern, sie fahren sicher, ohne lokale Emissionen und leise.

Seilbahnen legen i.d.R. nur begrenzte Strecken zurück und machen dann ein Umsteigen in andere Verkehrsmittel erforderlich. Wie lassen sich Seilbahn-Konzepte sinnvoll in ein modernes Verkehrsnetz einfügen?
Es ist richtig, dass Seilbahnen vor allem auf begrenzten Strecken sinnvoll sind. Sie können als Querverbindung zwischen S- oder U-Bahnhalten das ÖPNV-System ergänzen oder Standorte an das Schienennetz anbinden, die aufgrund von Barrieren oder der Topografie nicht auf der Schiene erschlossen werden können.

Kritiker wenden zudem ein, dass die Zugänge zu den Kabinen für ältere Menschen oder Menschen mit Handicaps Probleme bereiten könnten. Was sagen Sie dazu?
Wir berücksichtigen bei unserer Verkehrsplanung und unseren Verkehrsmitteln immer den Aspekt der Barrierefreiheit. Das gilt natürlich auch für die Seilbahnen, gar keine Frage. Wir sind ja auch nicht die ersten, die das thematisieren. Heute sind viele der neueren Seilbahnen barrierefrei, wie unter anderem die Schauinslandbahn bei Freiburg. Die Gondeln bremsen in den Stationen stark ab oder halten gegebenenfalls kurz an, sodass sie auch mit Rollstühlen befahren werden können. Auch die Mitnahme von Kinderwagen oder Fahrrädern stellt kein Problem dar.

Seilbahnen gelten nicht zuletzt als Attraktion für Besucher – inwieweit könnte der innerstädtische Verkehr dadurch zusätzlich ansteigen?
Wenn wir mit einer Seilbahn noch mehr Besucher für die Region begeistern können, freut uns das. Wir untersuchen zunächst eine Seilbahnverbindung im Hochtaunuskreis im Anschluss an die U-Bahn-Endstation Oberursel-Hohemark. Die aus dieser Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse können potenziell in Studien zu weiteren Verbindungen verwendet werden, die auch im engeren Ballungsraum liegen können. Und wenn ich an die Strecke im Hochtaunus denke, dann gehe ich davon aus, dass eine Seilbahn auch das Park-Chaos auf dem Großen Feldberg lindern kann, das dort an vielen Wochenenden herrscht. Insofern kann sie auch dazu führen, dass womöglich weniger Autos unterwegs sind.