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16.07.2019
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NOCH KEIN GESCHÄFTSMODELL OHNE KINOAUSWERTUNG

Wie VOD-Dienste den Markt verändern

Andreas Heidenreich, Deutsches Filminstitut und veranbtw. f. Organisation beim Open Air Filmfest Weiterstadt

Andreas Heidenreich, Deutsches Filminstitut und veranbtw. f. Organisation beim Open Air Filmfest Weiterstadt [Quelle: Photo Both]


Netzanbieter wie Netflix und Co werden aus Sicht von DFI-Experte Andreas Heidenreich "eine Herausforderung für das Kino werden". Allerdings bezweifelt er bislang das Funktionieren von Geschäftsmodellen ohne Kino-Auswertungen und hat den Eindruck eines reinen Verdrängungswettkampfes.


In Cannes blieben die großen Streaming-Plattformen draußen, in Venedig gewann die Netflix-Produktion „Roma" den Goldenen Löwen. Wie gehen Sie mit Produktionen von VOD-Anbietern um?
Im Kurzfilmbereich ist das völlig egal; bei langen Filmen hängt es von den Bedingungen ab, unter denen man die Filme zeigen kann.

Die Streaming-Plattformen investieren Milliarden in ihre Produktionen und setzen nicht selten Maßstäbe in Sachen Optik und Narration – inwieweit könnten die VOD-Anbieter dem Kino den Rang ablaufen?
Das glaube ich zumindest dauerhaft nicht. Es wird auf jeden Fall wie alle technischen Neuerungen - Fernsehen, Farbfernsehen, DVD, usw - eine Herausforderung für das Kino werden. Bislang hat aber noch kein VOD-Anbieter ein Geschäftsmodell entwickelt, mit dem man schwarze Zahlen schreibt (ohne vorher auch andere Auswertungsformen wie z.B. Kino zu involvieren). Derzeit hat man allerdings den Eindruck, dass es vorerst einfach nur um einen reinen Verdrängungswettkampf geht und nicht darum, selbst zu funktionieren.

Auch hierzulande gibt inzwischen häufiger Produktionen von Netz-Plattformen – wie könnte das den hiesigen Markt verändern?
Das wird für Filmschaffende erst einmal positiv sein - endlich ausreichend bezahlte Jobs - für Filmproduktionen die Herausforderung schaffen, dass gewisse Handwerke knapp werden. Im Auswertungsmarkt ist es ja schon so, dass Regisseure, die zuvor rein für den DVD Markt produziert haben, fast völlig von der Bildfläche verschwunden sind, da sie mit VOD nicht überleben können. Kinos werden vor Herausforderungen stehen in Bezug auf Flexibilität, Programmgestaltung, Qualität und Verbesserung des Erlebnisses Kinobesuch.

Derzeit bekommen reine Streaming-Produktionen in Deutschland keine Filmförderung. Wie sollte das aus Ihrer Sicht künftig sein?
Ich bin mir gar nicht sicher, ob das so ist, da es ja so viele lokale Förderungen gibt. Wer an FFA Gelder will, muss auf jeden Fall auch in die FFA einzahlen und man muss ein Auswertungsmodell planen, das die Chance bietet, dass das Produkt sein Geld auch wieder einspielt. Da gehört für mich eine Kinoauswertung auf jeden Fall dazu.