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19.12.2018
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NOCH IST ES FÜR DEN EINZELHANDEL NICHT ZU SPÄT

Wie die Ladengeschäfte von der Digitalisierung profitieren können

Julia Miosga, Bitkom-Handelsexpertin

Julia Miosga, Bitkom-Handelsexpertin [Quelle: Till Budde]


"Ziel muss sein, vom Getriebenen zum Gestalter des digitalen Wandels zu werden", sagt  Bitkom-Handelsexpertin Julia Miosga mit Blick auf den deutschen Einzelhandel. Mit einer Omni-Channel-Präsenz ließe sich ein Stück vom großen Online-Kuchen gewinnen.


77% der deutschen Einzelhändler sehen sich selbst als Nachzügler in Sachen Digitalisierung. Verliert eine ganze Branche den Anschluss?
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Nachzügler zu sein sollte auf dem Weg jetzt nicht entmutigen. Und Händler sind was die Digitalisierung angeht mehrheitlich weiterhin sehr optimistisch: Zwei von drei Händlern sehen die Digitalisierung als Chance. Jetzt müssen sie die Digitalisierung entschlossener angehen. Das alte Credo „Handel ist Wandel“ hat heute mehr Gültigkeit denn je. Digitalisierung passiert auch nicht von heute auf morgen, sondern sie ist ein Prozess mit kleinen Schritten. Ziel muss sein, vom Getriebenen zum Gestalter des digitalen Wandels zu werden – noch ist es nicht zu spät.

Im Einzelhandel gibt es immer noch viele kleine Unternehmen, online dominieren wenige Konzerne. Wie kommt der Einzelhändler dauerhaft gegen Amazon und Co an?
Gerade im Handel ist Digitalisierung der Schlüssel zu neuem Wachstum. Ziel muss eine Omni-Channel-Präsenz sein, um auch ein Stück vom großen Online-Kuchen abzubekommen. Das bedeutet, auf allen Kanälen aktiv zu sein und sie so miteinander zu verknüpfen, dass der Kunde fließende Übergänge hat. Eine Möglichkeit für Händler, den Einkauf über die Kanäle hinweg zu vereinfachen und Offline und Online miteinander zu verbinden, ist „Click & Collect“. Mit diesem Angebot haben Kunden die Möglichkeit, Produkte online zu bestellen und diese dann im Ladengeschäft abzuholen. So kann die hinterlegte Ware im Laden vor dem Kauf noch begutachtet oder anprobiert werden. Außerdem entfallen für den Kunden Versandkosten und Wartezeit bei der Post, wenn ein Paket nicht zugestellt werden kann. Auch eine abschließende Beratung im Geschäft kann so noch in Anspruch genommen werden. Die individuelle Beratung und persönliche Kundenansprache sind der ganz große Trumpf des kleinen Einzelhändlers. Auch online können Einzelhändler Beratung anbieten, etwa in Form von Chats, WhatsApp etc. Wichtig ist außerdem, ein guter Service, zum Beispiel Ware, die nicht vor Ort verfügbar ist, dem Kunden nach Hause zu schicken. Ein derartiger Omni-Channel-Service birgt ein hohes Potenzial, Kunden zu binden und den Umsatz zu steigern.

Viele Verbraucher könne sich vorstellen, automatisiert Alltagsartikel in zu bestellen. Vor welche Herausforderung stellen das Internet der Dinge und das Smart Home den Einzelhandel?
Die Anforderungen und Wünsche des Kunden verlangen von den Händlern intelligente und innovative Service-Ideen. Gerade die immer wiederkehrende Besorgung von Verbrauchsartikeln verbinden viele eher mit langweiliger Routine und Geschleppe als mit einem attraktiven Einkaufserlebnis. Die bedarfsgerechte und schnelle automatisierte Bestellung ist da ein deutlicher Komfortgewinn. Der Einzelhandel ist wichtiger Verkäufer von Smart-Home-Produkten. Die größte Herausforderung, der der Einzelhandel dabei gegenübersteht, ist für eine größere Kundenakzeptanz zu sorgen. Um an dem wachsenden Smart-Home-Markt teilzuhaben, braucht es deshalb die Demonstration von Smart-Home-Technologien und ihrem Nutzen ebenso wie Installationshilfen und technische Beratung durch geschulte Mitarbeiter.

Andererseits kaufen 4 Prozent der Internetnutzer täglich online, 14 Prozent einmal oder mehrmals pro Woche - wird der Onlinehandel überschätzt?
Wenn man einen genaueren Blick auf die Zahlen wirft, zeigt sich, dass Online-Shopping in den kommenden Jahren eher noch zunehmen wird. Besonders häufig nutzen nämlich junge Leute das Internet zum Einkaufen. So shoppen bereit 41 Prozent unter den 14- bis 29-Jährigen mindestens einmal pro Woche online. 23 Prozent kauft mehrmals pro Woche online ein. Erst ab der Altersgruppe 50 Plus nimmt die Häufigkeit des Online-Shoppings dann merklich ab. Die kommenden Generationen sind für Onlinehändler also eine äußerst attraktive und große Käufergruppe.