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19.12.2018
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KOMMEN INTERAKTIVE E-BOOKS, WENN DIE DIGITAL NATIVES ERWACHSEN WERDEN?

Wie sich das Lesen an welchen Devices verändern könnte

Lukas Heymann, Institut für Lese- und Medienforschung bei der Stiftung Lesen

Lukas Heymann, Institut für Lese- und Medienforschung bei der Stiftung Lesen [Quelle: Stiftung Lesen]


Eltern "greifen insbesondere bei der „Gute-Nacht-Geschichte“ lieber zum gedruckten Buch", wissen Lukas Heymann (Wissenschaftlicher Mitarbeiter) und Ulrike Annick Weber (Leiterin Programmbereich Leseempfehlung und Ehrenamt) von der Stiftung Lesen aus eigenen Untersuchungen. Doch sie sehen auch Bewegung im Markt. Ein Gastbeitrag.


Vorlese- und Kinderbuchapps, Enhanced E-Books und interaktive E-Books stellen nach wie vor nur einen kleinen Nischenmarkt neben den regulären und bekannten E-Books dar.

Das liegt zum einen daran, dass die tatsächliche Anzahl begrenzt ist, d. h. so viele gibt es davon gar nicht. Es liegt aber auch daran, dass sie in den App-Stores schwer zu finden und oftmals kostenpflichtig sind. Viele Nutzer und auch Eltern sind es aber gewohnt Apps kostenlos beziehen zu können und zögern bei diesen Investitionen. Des Weiteren sind die Altersangaben nicht sehr passend oder nur vage formuliert, so dass Eltern irritiert und sich fragen, ob die App wirklich für ihr Kind geeignet ist. Datenbanken wie bei Stiftung Lesen oder DJI helfen Eltern bei der Auswahl der richtigen Geschichte für ihr Kind.

Aus Befragungen von Eltern wissen wir aber auch, dass nur wenige wirklich regelmäßig mit ihren Kindern digital lesen. Sie greifen insbesondere bei der „Gute-Nacht-Geschichte“ lieber zum gedruckten Buch. Unterwegs sind aber E-Books, Apps oder unser kostenfreier Geschichtenservice (Einfach Vorlesen) für viele eine gute Alternative, um mit wenig Gepäck trotzdem abwechslungsreich vorlesen zu können.

Man wird abwarten müssen, wie sich der digitale Buchmarkt langfristig entwickeln wird. Derzeit scheint er mit Blick auf E-Books im Allgemeinen etwas zu stagnieren. Interessant wird es sicherlich in einigen Jahren, wenn die Digital Natives erwachsen und teilweise auch selbst Eltern werden und entscheiden, wie sie lesen bzw. ihren Kindern vorlesen.

Möglicherweise ist hier ein Schub zu erwarten, was die Verkaufszahlen von E-Books etc. betrifft. Auch von Investitionen der Bundesregierung in die digitale Infrastruktur von Schulen hängt vieles ab: Wenn es für ganze Generationen „normal“ wird auf digitalen Trägermedien zu lesen, zu rechnen und damit zu lernen, hat das sicherlich auch Auswirkungen auf ihr (späteres) alltägliches Leseverhalten.

E-Reader und Tablet-PCs kann man eigentlich nicht miteinander vergleichen. Die einen sind speziell für das Lesen von Texten optimiert, verbrauchen sehr wenig Strom und ihr Akku hält möglicherweise einen ganzen Urlaub lang. Das sind viele Vorteile für diejenigen, die nur damit lesen wollen und bereit sind für die anderen Dinge weitere Geräte mitzuführen. Smartphones und Tablets hingegen sind multifunktional und eignen sich mit geeigneten Apps etwa von der örtlichen Bücherei oder von großen Buchhändlern auch zum E-Book lesen. Nachrichten und PDFs lassen sich ja sowieso im Webbrowser lesen.

Vielfach diskutiert wird ja bei Smartphones und Tablets, ob die Beleuchtung das Einschlafen hemmen oder ob die Ablenkung durch andere Apps nicht zu groß ist und die Konzentration dadurch gestört werden kann. Apple hat ja mit Nachtmodus technisch dagegen gesteuert und seit längerer Zeit ändert sich der Farbwert des Displays zu einer voreingestellten Uhrzeit, so dass die Problematik mit den Einschlafstörungen behoben ist. Inwieweit man sich durch anderes Apps ablenken lässt, während man auf dem Smartphone oder Tablet liest, kann letztendlich jeder Leser selbst beeinflussen. Entweder schaltet man im Flugmodus den Kontakt zur Außenwelt ab oder man liest eben einkommende Nachrichten, beantwortet Anrufe und liest anschließend weiter. Denn auch beim Buchlesen passiert es ja, dass es an der Haustür klingelt oder anwesende Personen Fragen haben und das Leseerlebnis unterbrechen …