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12.12.2018
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INDIVIDUALVERKEHR OHNE STAUS UND PARKPLATZPROBLEME

Welchen Beitrag E-Bikes leisten können - und was die Politik tun muss

Mag. Bruno Rossmann, Abgeordneter zum Nationalrat Klubobmann, Liste Pilz

Mag. Bruno Rossmann, Abgeordneter zum Nationalrat Klubobmann, Liste Pilz [Quelle: Parlamentsdirektion/PHOTO SIMONIS]


"Gerade in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr können sich E-Bikes als ideal erweisen", sagt Mag. Bruno Rossmann, Klubobmann der Liste Pilz im Nationalrat Österreichs. So habe man die Annehmlichkeit des Individualverkehrs ohne dessen negative Aspekte. Allerdings müsse die Politik die Voraussetzungen schaffen.


Experten schätzen, dass mittelfristig bis zu jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike sein könnte – was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber und Bremsklötze für den E-Bike-Markt?
Ein Treiber des Marktes ist in jedem Fall das wirksame Marketing bei E-Bikes. Aber auch die Motoren werden immer kleiner, die Batterien immer leistungsfähiger und das Gesamtgewicht verringert sich. Diese Technologiesprünge sind ebenso wesentliche Treiber des Marktes. Zukünftige Überregulierungen oder auch Imageprobleme durch Ressourcenverwendung für Batterien aus Problemregionen und einhergehende Umweltverschmutzung bei der Rohstoffgewinnung könnten sich als Bremsklötze erweisen. Hier gilt es besonders genau hinzuschauen.

Welche Ladeinfrastruktur wird nötig, wenn mehr E-Bikes längere Strecken fahren und unterwegs nachgeladen werden müssen?
E-Bikes haben jetzt schon eine Reichweite von teilweise über 100 Kilometern. Das heißt, im innerstädtischen Bereich stellt sich die Frage nach möglichst vielen Ladestationen gar nicht. Ich glaube auch nicht, dass E-Bikes den Individualverkehr auf längeren Strecken ersetzen werden können und dementsprechend erachte ich besonders intensive Bemühungen in diesem Bereich als fehlgeleitet, zumindest sind flächendeckende Ladestationen für E-Bikes nicht prioritär. Wesentlich entscheidender ist die Anpassung der Verkehrswege mit beispielsweise ausgeweiteten Fahrspuren oder ganzen Straßen, die ausnahmslos nur Fahrrad-, E-Bike- oder E-Roller-Fahrern vorbehalten sind.

Mit speziellen Ausführungen wie Lasten-E-Bikes erweitern sich die Einsatzmöglichkeiten, so dass einige Experten das E-Bike schon als Konkurrenz zum Auto sehen. Wie sehen Sie das?
Langfristig lautet das grundsätzliche Ziel, den Verkehr gänzlich zu entkarbonisieren. Wir sollten daher Fortbewegungsmittel forcieren, die keine Treibhausgase mehr ausstoßen – dazu gehören etwa auch E-Bikes in allen Ausführungen, vorausgesetzt wir schaffen es, die Energie für deren Fortbewegung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu generieren. Das braucht natürlich ebenso eine anständige Ausbaurate erneuerbarer Energien wie ein Ende umweltschädlicher Subventionen. Beides könnten wir auch sofort umsetzen, wenn nur der politische Wille dafür gegeben wäre, sprich die Kräfte der fossilen Industrie in dieser Regierung zurückgedrängt werden könnten. Leider wird hier die maßgebende Linie aber immer noch von einem kleinen, fossilen Teil der WKO diktiert.

Gerade in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr können sich E-Bikes als ideal erweisen. Man erhält die Annehmlichkeit, direkt und rasch an einen gewünschten Ort zu kommen – so wie beim herkömmlichen Individualverkehr – allerdings ohne die negativen Aspekte wie Stau und Parkplatzproblem. Das was wir brauchen ist die Vision einer attraktiven, lebenswerten und sauberen Stadt der Zukunft.

In einigen Regionen wird bereits darüber diskutiert, ob die vergleichsweise schnellen E-Bikes auf den Radweg gehören oder gar eigene Spuren brauchen. Inwieweit muss sich die Infrastruktur langfristig dem E-Bike-Trend anpassen?
Wie teilweise bereits ausgeführt, würden die richtigen Infrastrukturmaßnahmen im städtischen Verkehr nicht nur das Klima weniger schädigen, sondern könnten regional durch sauberere Luft auch eine höhere Lebensqualität in Städten schaffen. Speziell Menschen an stark befahrenen Straßen haben ja mit teilweise extrem schlechter Luft zu kämpfen mitsamt den negativen Auswirkungen auf die Gesundheit. Was die konkrete Frage zur langfristigen Infrastrukturanpassung betrifft, so erachte ich die generelle Stärkung des Radverkehrs durch die Errichtung von Radhauptrouten und die Erweiterung der Radspuren auf unseren Straßensystemen für unerlässlich. Denn wenn wir mehr Radfahrer in unseren Städten haben wollen, so müssen wir den zur Verfügung stehenden Platz für die Fortbewegung auch gerechter verteilen. Auch in einem großen SUV sitzt oftmals nur ein Mensch, der von A nach B will. Dieser Mensch beansprucht im jetzigen Straßenverkehrssystem im Vergleich zum E-Bike oder Radfahrer aber überproportional viel Platz. Das bedeutet, wenn wir den emissionsstarken Verkehr in den Städten langsam elektrifizieren wollen – was natürlich auch den Umstieg auf E-Bikes inkludiert – so ist es sinnvoll, die entsprechenden Fortbewegungsmittel auf die Straße zu verlagern. Es ist richtig, dass E-Bikes unter Umständen zu schnell für Radwege sein können. Deren Nachteil hier ist aber ihr großer Vorteil auf einer Straße. Die politische Fragestellung ist ganz einfach: Wie viel Platz in der Stadt und auf der Straße möchten wir welchem Verkehrsmittel zur Verfügung stellen?