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16.12.2017
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HESSEN FÜR WETTBEWERB ZWISCHEN DEN LÄNDERN BEI DER BILDUNG

Was der Föderalismus auch in Zeiten der Digitalisierung bringt

Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Minister im Hessischen Kultusministerium

Prof. Dr. R. Alexander Lorz, Minister im Hessischen Kultusministerium [Quelle: Manjit Jari]


Das Land Hessen beteiligt sich "mit der Medieninitaitive Schule@Zukunft finanziell an der IT-Ausstattung seiner Schulen, um landesweit eine zeitgemäße schulische IT-Bildungsinfrastruktur zu unterstützen", erklärt der hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. Der Bildungsföderalismus kann aus seiner Sicht durch Austausch gute Lösungen befördern.


Bei den Lehrern herrscht große Skepsis gegenüber digitalen Lehrmedien, so glaubt nicht mal jeder vierte Lehrer daran, dass digitale Medien dabei helfen, den Lernerfolg ihrer Schüler zu verbessern. Wie begegnen Sie dieser Skepsis?
Lehrerinnen und Lehrer benötigen Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien im Unterricht, und sie müssen einen didaktischen Mehrwert beim Einsatz digitaler Medien im Fachunterricht erfahren. Dafür benötigen sie Unterstützung durch geeignete Fortbildungs- und Beratungsangebote. In Hessen setzen wir auf die Fortbildung von ganzen Kollegien und den Austausch über gelingende Praxis in schulischen Netzwerken durch die Staatlichen Schulämter, damit die Arbeit mit digitalen Medien nicht mehr nur vom Engagement, persönlichen Interessen und Kompetenzen eines einzelnen Lehrers abhängt. Schulen werden da gezielt bei der Entwicklung schulischer Medienbildungskonzepte begleitet. Ergänzend werden landesweit und regional über die Hessische Lehrkräfteakademie und die Staatlichen Schulämter vielfältige Fortbildungen zum Einsatz von digitalen Medien im Fachunterricht und zur Vermittlung der Medienkompetenz angeboten. Ziel ist es, Bildung mit digitalen Medien als Schulentwicklungsaufgabe zu verankern und Lehrkräfte mit den erforderlichen didaktisch-methodischen Kompetenzen für den Einsatz von digitalen Medien im Unterricht auszustatten.

Der Bildungsmonitor fordert Ausbildung an digitalen Medien als Lehr- und Lernmitteln verpflichtend im Lehramtsstudium. Wie sehen Sie das?
Der Lehrerbildung kommt in allen Phasen eine Schlüsselrolle zu, damit digital gestützter Unterricht gelingt. Bereits jetzt ist der Einsatz von digitalen Medien Bestandteil des Lehramtsstudiums an allen fünf hessischen Universitäten. Die Hessische Lehrkräfteakademie kooperiert mit allen hessischen Universitäten auf vertraglicher Basis zur phasenübergreifenden Medienkompetenzförderung in der Lehrerbildung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Integration digitaler Medien sowohl in die fachwissenschaftliche als auch in die fachdidaktische Ausbildung der jeweiligen Fächer. In einer Steuergruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Phasen werden Maßnahmen in den einzelnen Ausbildungsphasen abgestimmt. In einem Portfolio Medienbildungskompetenz können Lehrkräfte die in den einzelnen Ausbildungsphasen erworbenen Kompetenzen dokumentieren.

Die Hälfte aller Lehrer ist unzufrieden mit der technischen Ausstattung ihrer Schule. Was muss die Politik tun?
Die IT-Ausstattung von Schulen ist zunächst Aufgabe der Schulträger, stellt diese zum Teil jedoch vor große finanzielle Herausforderungen. Um digital gestützten Unterricht landesweit umsetzen zu können, müssen Land und Schulträger zusammenarbeiten. Deswegen beteiligt sich Hessen mit der Medieninitaitive Schule@Zukunft finanziell an der IT-Ausstattung seiner Schulen, um landesweit eine zeitgemäße schulische IT-Bildungsinfrastruktur zu unterstützen. Mit der Digitalstrategie Hessen wird zusätzlich die Breitbandanbindung der Schulen gefördert. Land und Schulträger tauschen sich in regelmäßigen Treffen über nachhaltige IT-Lösungen aus. Auch berät die Lehrkräfteakademie Schulen und Schulträger in Ausstattungsfragen und bei der Umsetzung innovativer Medienkonzepte. Der von Bundesseite angekündigte Digitalpakt wird zusätzlich dazu beitragen können, landesweit und länderübergreifend Schulen zu einer verbesserten und vergleichbaren IT-Ausstattung zu verhelfen.

Der Bildungsmonitor fordert ein gemeinsames Gütesiegel und eine deutschlandweit zugängliche Plattform für digitale Lernmaterialien. Wieviel Bildungsföderalismus ist angesichts einer vernetzten Welt noch sinnvoll?
Der Bildungsföderalismus steht gemeinsamen Lösungen nicht entgegen, sondern kann gerade in Fragen des digital gestützten Lernens gute Lösungen durch den Austausch gelingender Praxis zwischen den Ländern befördern. Verantwortung der Länder erlaubt den produktiven Wettbewerb um bessere Lösungen zwischen ihnen. Darin liegt erhebliches Innovations- und Kreativitätspotenzial, das gerade bei der Entwicklung von praxistauglichen pädagogischen Konzepten zum Lernen mit digitalen Medien erforderlich ist. Die Länder stehen z. B. über ihre Landesbildungsserver bereits im Austausch über geeignete digitale Unterrichtsmaterialien und -einheiten. Mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ haben sich die Länder darauf verständigt, vor allem beim plattformgestützten Lernen und beim qualitätsgesicherten Einsatz von digitalen Bildungsmedien länderübergreifende Lösungen gezielt zu unterstützen.