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16.07.2019
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Wie sich Brandenburg bei der Digitalisierung profilieren will

Thomas Kralinski - Staatssekretär, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg für Medien,

Thomas Kralinski - Staatssekretär, Bevollmächtigter des Landes Brandenburg für Medien, [Quelle: Stk/ Ulf Büschleb]


"Brandenburg ist unabhängig von einzelnen Erhebungen mit Sicherheit viel digitaler, als der eine oder andere glauben mag", betont Staatssekretär Thomas Kralinski. Er berichtet von Leuchttürmen und davon, wie gerade der ländliche Raum profitieren soll.  


Nach dem aktuellen Digitalisierungs-Index holt Brandenburg auf. In welchen Bereichen sind Sie mit der Entwicklung schon zufrieden und worauf müssen demnächst die Schwerpunkte gelegt werden?
Zufrieden kann man wahrscheinlich nie sein, denn Digitalisierung hört ja nie auf, die Entwicklungen gehen mit hoher Geschwindigkeit immer weiter. Brandenburg ist unabhängig von einzelnen Erhebungen mit Sicherheit viel digitaler, als der eine oder andere glauben mag. Mit der Ende 2018 verabschiedeten Digitalisierungsstrategie sind wir auch konzeptionell gut gerüstet für den Übergang in die digitale Zeit. Digitalisierung ist ein Querschnittsthema, das in allen Lebenslagen eine immer wichtigere Rolle spielt. Auch in allen Politikfeldern. Wir wollen vor allem in den Bereichen digitale Bildung, digitale Gesundheit und digitale Land- und Forstwirtschaft etwas schneller sein als andere.

Was den Deutschland-Index angeht, kann man gut die Zukunftsfähigkeit der IT-Branche in Brandenburg sehen – das ist auch gut für andere Branchen, denn ein starker IT-Standort ist eine gute Voraussetzung, wenn man Digitalisierung weiter vorantreiben will. Auch die Kommunen schneiden im Ländervergleich gut ab. Das freut mich besonders, da die Kommunen eine Schlüsselfunktion einnehmen. Sie stehen im direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern und dort lässt sich am ehesten ein Gang zum Amt sparen.
Voraussetzung für alles ist aber eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Dafür stehen in Brandenburg über eine halbe Millarde Euro an Steuergeld allein aus Bund und Land zur Verfügung. In den kommenden Jahren kommt das schnelle Internet also überall hin, wo Menschen leben, arbeiten und sich bewegen – eben weil es auch eine Art Daseinsvorsorge ist. Das Land richtet darüber hinaus in den kommenden Monaten etwa 1.200 öffentliche und kostenfreie WLAN-Hotspots ein.  

Wie kann die Digitalisierung helfen, insbesondere den ländlichen Raum attraktiver zu
machen?
Zunächst indem die digitale Infrastruktur ausgebaut wird. In unserer Digitalsierungsstrategie haben wir darüber hinaus in 7 Handlungsfeldern beschrieben, wie sich Leben und Arbeiten – gerade im ländlichen Raum – mit Hilfe von Digitalisierung verbessern kann. Wege aufs Amt entfallen, vernetztes oder sogar autonomes Fahren führt dazu, dass wir mobiler werden. Eine digitale medizinische Versorgung und Pflege kommt gerade Langzeitkranken und älteren Menschen zugute. Die Erwerbsarbeit ist stärker auf die individuellen Bedürfnisse abstimmbar. Die überall entstehenden Co-Working-Spaces zeigen bereits, dass im ländlichen Raum gutes Leben und gutes Arbeiten perfekt miteinander verbunden werden können.


Nach einer Grundgesetzänderung darf der Bund bei der Digitalisierung an den Schulen helfen. Wie viel Digitalisierung brauchen die Schulen in Brandenburg wie schnell?
Die Mittel des Bundes helfen uns, die Digitalisierung der Schulen deutlich voranzutreiben, sie zukunftssicher zu machen und für die Schülerinnen und Schüler ein modernes Lernumfeld zu schaffen. Eines unserer zentralen Bausteine ist die Einrichtung einer Schulcloud. Damit fangen wir bereits zum neuen Schuljahr im August mit über 50 Schulen an. Sobald wir erste Erfahrungen gesammelt haben, wollen wir von Grund- bis Berufsschulen alle mit einer Schulcloud ausstatten. Das ermöglicht bessere Kommunikation in der Schule, zwischen zu Hause und Schule, aber eben auch neue Lernmethoden. Unsere neue gegründete Digitalagentur und das international renommierte Hasso-Plattner-Institut in Potsdam unterstützen uns dabei.

IT-Betriebe klagen gerade hierzulande über fehlende Fachkräfte. Was kann die Politik da tun?
Fachkräftesicherung ist das Gebot der Stunde. Mit der Landesstrategie zur Berufs- und Studienorientierung sowie Vorgaben zur Umsetzung der Berufs- und Studienorientierung an Schulen bietet das Land vielfältige Initiativen und Aktionen und zahlreiche Anknüpfungspunkte für Unternehmen, sich aktiv zu beteiligen und sich als Praktikums- oder Ausbildungsbetriebe bzw. zukünftiger Arbeitgeber zu präsentieren. Damit können sie für ihr Unternehmen werben und frühzeitig potentielle Auszubildende und künftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren Betrieb begeistern, um auch IT-Fachkräfte für die Zukunft zu gewinnen. Wir unterstützen kleine und mittlere Unternehmen als auch Handwerk bei der Digitalisierung ihrer Arbeit. Wir werden auch dann attraktiv für Fachkräfte, wenn wir im Land einfach gute Arbeit machen, wenn bei uns ein Klima der Offenheit für neue Technologien und Methoden herrscht. Digitalisierung hat sehr viel mit Kulturwandel zu tun, mit „umparken im Kopf“. Das betrifft alle Bereiche, von Politik und Verwaltung, über Bildung und Wissenschaft bis Unternehmen und Kultur. Es geht darum, vernetzt zu denken, agiler zu arbeiten, offen zu sein für Neues.

Die Digitalisierung sorgt nicht zuletzt in der Medienbranche für erhebliche Umwälzungen. Wie kann das Land die hiesige Medienbranche dabei unterstützen?
Die Medienbranche Berlin-Brandenburg ist einer der Vorreiter für die digitale Transformation. Potsdam ist seit 2017 von der Bundesregierung als einer von bundesweit zwölf Digital Hubs ausgewählt worden. Es ist der einzige Digital Hub in Deutschland, der auf Medientechnologien, Digital Engineering und Virtual/Augmented Reality spezialisiert ist. Das Besondere daran ist: diese Technologien werden wir in allen anderen Wirtschaftsfeldern brauchen. Der Media Tech Hub wird getragen von über 40 Medienunternehmen und Einrichtungen wie z.B. Hochschulen. Die Landesregierung unterstützt das Projekt aktiv. Als eines der ersten Vorhaben ist das volumetrische Studio - eines der modernsten Virtual Reality Studios weltweit - realisiert worden. Es wurde 2018 in enger Zusammenarbeit mit dem Heinrich-Hertz Institut in Berlin aufgebaut und genießt schon jetzt große nationale und internationale Aufmerksamkeit. Damit ist es per 3D-Modellierungen möglich, natürliche Repräsentationen realer Objekte und Personen zu generieren, die in virtuellen Welten platziert werden können. Diese Technologie wird vor allem für den Wachstumsmarkt der Virtual, Augmented und Mixed Reality eingesetzt und findet bereits heute branchenübergreifend Anwendung. Auch das ist eine Brandenburger und Berliner Erfolgsgeschichte.