MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
12.12.2019
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

E-SPORT SORGT FÜR HERZFREQUENZEN UND CORTISOLWERTE WIE BEIM ELFMETERSCHIESSEN IM CHAMPIONSLEAGUE-FINALE

Wie ein Spitzenforscher zur Anerkennungs-Debatte steht

Prof. Dr. Ingo Froböse, Deutsche Sporthochschule Köln

Prof. Dr. Ingo Froböse, Deutsche Sporthochschule Köln [Quelle: Sebastian Bahr]


"Wenn wir weiterhin den eSport so konsequent ablehnen, müssen wir aufpassen, dass wir diese spannende Entwicklung in Deutschland nicht verschlafen", sagt Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln mit Blick auf ein Gutachten, das der DOSB beauftragt hatte und das E-Sport nicht als Sport klassifiziert. Eine entsprechende Anerkennung könnte aus seiner Sicht auch im Profibereich helfen.


Ein Gutachten im Auftrag des DOSB kommt zu dem Ergebnis, dass E-Sport kein Sport ist, u.a. da es an der Körperlichkeit fehle. Wie bewerten Sie das?
Diese Begründung aus dem vom DOSB beauftragten Gutachtens ist für mich nicht nachvollziehbar. Wenn wir den eSport mit anderen vom DOSB anerkannten Sportarten wie Schach, Billiard oder Schießen vergleichen, so sehen wir, dass dort ebenso  die Präzision im Vordergrund steht und keine kraftvolle Bewegungsentfaltung. Diese kleinräumigeren Bewegungen verlaufen zudem im eSport mit beiden Händen asymmetrisch und mehrere hundert Male pro Minute ab. Professionelle eSportler erreichten bis zu 400 Aktionen in der Minute mit Maus und Tastatur. Hinzu kommen, von uns gemessene Herzfrequenzen und Cortisolwerte, die mit einem Elfmeterschießen im Championsleague-Finale vergleichbar sind. Wer selbst schon einmal einen eSport-Titel gespielt hat, weiß wie viel Können und Stressresistenz dort abverlangt werden.

Dem Gutachten zufolge lässt sich die vom DOSB festgelegte Unterscheidung zwischen Sportsimulationen und eGaming nicht aufrechterhalten. Was bedeutet das für die Zukunft?
Interessanterweise rückt der DOSB von seiner eigenen Wortschöpfung des eGamings in der Auswertung der Studie ab. Ich teile in dieser Hinsicht die Meinung vom ESBD-Präsidenten, Hans Jagnow, wenn er sagt, dass der Begriff eGaming nur eine Spaltung des eSports mit sich zieht. Ich erhoffe mir, dass mit der Abschaffung dieses Begriffs ein Schritt zur Anerkennung aller Genres angestoßen wird, denn: zum facettenreichen eSport gehören Spiele aller Art, egal ob Shooter-, Rollenspiele oder Sportsimulationen.

Nun liegt das Rechtsgutachten vor – wie geht es aus Ihrer Sicht in dem Streit um die Einstufung von E-Sport als Sport weiter?
Meiner Meinung nach wird die Debatte über die Anerkennung des eSports als Sport auch nach dem Gutachten des DOSB weitergehen: das zeigen die Reaktionen aus dem eSport selbst sowie der Politik. Der eSport wird sich auch ohne die Anerkennung durch den DOSB weiter rasant entwickeln, große Sponsoren anlocken und Millionen Menschen weltweit verbinden, sodass sich der DOSB dem eSport mit seinen vielfältigen Möglichkeiten ab einem Zeitpunkt nicht mehr verschließen kann. Wenn wir weiterhin den eSport so konsequent ablehnen, müssen wir aufpassen, dass wir diese spannende Entwicklung in Deutschland nicht verschlafen. 

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung ist die Förderung von E-Sport enthalten – wofür braucht es die Anerkennung als Sport für den E-Sport überhaupt?
Der eSport benötigt die Anerkennung als Sport auf politischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Ebene, weshalb ich froh bin, dass die Große Koalition die Förderung in ihren Verträgen aufgenommen hat. Eine Anerkennung ist in vielerlei Hinsicht notwendig, da so dem eSport eine Gemeinnützigkeit zugeschrieben wird womit besonders im Amateurbereich die Möglichkeit der Schaffung wichtiger Strukturen, der Sportförderung und steuerliche Privilegien einhergehen. Im Spitzenbereich können die Anerkennung und die folgende Förderung des eSports dazu führen, dass Deutschland im internationalen Vergleich allmählich aufholt und das Land in den verschiedenen Wettbewerben erfolgreich vertreten werden kann.