MEINUNGSBAROMETER.INFO

DIGITALISIERUNG

DAS FACHDEBATTENPORTAL

Für Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Medien & Gesellschaft


schliessen

Bitte hier einloggen:

Login

Passwort vergessen?
 
25.06.2021
Kopieren und anderweitige Vervielfältigungen sind nicht erlaubt.

DIGITALE GESUNDHEITSKOMPETENZ FÜR ALLE

Wie die Digitalisierung in der Pflege den Anwendern wirklich helfen kann

Verena Bentele - Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland

Verena Bentele - Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland [Quelle: VdK/ Susie Knoll]


"Der VdK sieht die Vorteile der elektronischen Patientenakte und der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen", sagt die Präsidentin des Sozialverbandes, Verena Bentele. Allerdings drängt sie darauf, dass diejenigen, die nicht digital unterwegs sind oder sich nicht das neueste Handy leisten können, nicht abgehängt werden.


Telemedizinische Angebote und sogenannte digitale Helfer sollen verstärkt in der Pflege eingesetzt werden. Wo liegen die wichtigsten Vorteile digitaler Tools in der Pflege?
Das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) schafft einen Anreiz zur Entwicklung digitaler Helfer. Für den Sozialverband VdK ist entscheidend, dass nur zugelassen wird, was auch einen praktischen Alltagsnutzen für den Anwender bringt. In der Pflege muss damit ein echter Gewinn für die Versorgung verbunden sein. Da sieht der VdK einige Möglichkeiten: beispielsweise wenn Pflegebedürftige länger zu Hause leben können, wenn sie sich nach einem Sturz sicherer fühlen oder ihren Pflegedienst bei Problemen direkt und schnell erreichen. Der VdK erwartet sich bei der Zulassung der digitalen Pflegeanwendungen (DiPas) einen echten Mehrwert. Wichtig und richtig ist, dass nicht technikaffine Anwender dabei begleitet werden.


Jetzt bestellen!

DIE DOKUMENTATION DIESER FACHDEBATTE

Die Verarbeitung der Gesundheitsdaten soll effizienter und dabei sicher erfolgen. Wie bewerten Sie die geplanten Regeln diesbezüglich?
Der VdK sieht die Vorteile der elektronischen Patientenakte und der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen. Patienten und Ärzte können direkt auf medizinische Unterlagen zugreifen, die für die Behandlung notwendig sind. Schon bei einem Arztwechsel in der gleichen Fachrichtung ist heute der Zugriff auf frühere Befunde, Diagnosen oder Arztberichte oft nicht möglich. Ändert sich das, könnten Doppeluntersuchungen und Ungewissheiten vermieden werden. Wenn der Gesetzentwurf für mehr Anbindung an die elektronische Patientenakte sorgt, ist das gut. Aber Datenschutz, der Patientenwillen, ein barrierefreier Zugriff sowie leichte Verständlichkeit dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Für Menschen, vor allem ältere, die keinen Zugang zu PC oder Handy haben, muss es immer noch eine analoge Variante geben. Diejenigen, die nicht digital unterwegs sind oder sich nicht das neueste Handy leisten können, dürfen nicht abgehängt werden.

Digitale Tools können langfristig Geld sparen, verursachen aber häufig zunächst Kosten für die Implementierung. Wie lassen sich diese finanzieren?
Das gehört für den VdK ganz klar zum Gesamtpaket des unternehmerischen Risikos. Ein Unternehmer muss den Anreiz haben, das beste Produkt zur Marktreife zu führen und zu implementieren. Für die Entwickler ist die Zulassung ihres Produkts im Rahmen des DVPMG ein erfolgreiches Geschäftsmodell in einem sicheren Absatzmarkt. Allein im ersten Jahr nach Anerkennung des Produkts besteht freie Hand bei der Preissetzung. Erst danach stehen Preisverhandlungen mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung an. Der VdK lehnt es ab, dass die Kranken- und Pflegeversicherung für Entwicklungs- und Markteinführungskosten zur Kasse gebeten wird. Das wäre nur akzeptabel, wenn auch die Einnahmen nach Markteinführung wieder ins Gesundheitswesen fließen.

Die digitale Transformation erfordert auch Knowhow bei den Beschäftigten. Was muss für diesbezüglich bei der Aus- und Weiterbildung geschehen?
Ohne digitale Gesundheitskompetenz geht es nicht. Deshalb fordert der VdK, dass Patientinnen und Patienten, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie die Kassen entsprechend aus- und weitergebildet werden. Wird das Gesundheitswesen digitaler, müssen alle Menschen mitgenommen werden. Wenn die Beschäftigten von Krankenkassen, Arztpraxen und Krankenhäusern sowie die Versicherten die digitalen Möglichkeiten nicht nutzen können, verpufft das Potenzial weitest gehend. Die Bundesregierung muss diese Ausbildung anstoßen und dafür die gesetzlichen Krankenkassen in die Pflicht nehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen geschult werden und die Versicherten beraten können. Auch die Pflegekräfte müssen weitergebildet werden, damit die Versorgung durch die Digitalisierung nicht unmenschlicher, sondern sicherer wird. Das Thema muss schon in der Pflegeausbildung eine Rolle spielen.

Die Versicherten müssen Schritt für Schritt und leicht verständlich an die einzelnen Anwendungen herangeführt werden.