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19.12.2018
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DEUTSCHLAND BEI BEHINDERTENRECHTEN IM RÜCKSTAND

Wie Technik Barrieren abbaut und was die Politik noch tun muss

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz [Quelle: MSAGD]


"Smartphones, Tablets und digitale Assistenten schaffen enorme Möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen", sagt Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz. Unter bestimmten Umständen auch neue Barrieren aufgebaut werden. Da sieht er Unternehmen in der Pflicht - und die Politik.


Digitale Devices wie Mobilfunkgeräte oder Sprachassistenten können Menschen mit Behinderungen wertvolle Hilfe im Alltag leisten – wenn die Anbieter auf deren Bedürfnisse achten. Wie schätzen Sie das Angebot bezüglich der Barrierefreiheit ein?
Smartphones, Tablets und digitale Assistenten schaffen enorme Möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen. Ich selbst nutze gerade ein Diktierprogramm für diesen Text, da ich aufgrund meiner Behinderung nicht so gut eine Tastatur bedienen kann. Auch in Bezug auf Barrierefreiheit gibt es eine gute Entwicklung, selbst ein Touchscreen kann mit einer guten Programmierung und VoiceOver Funktionen für blinde und sehbehinderte Menschen gut nutzbar und hilfreich sein. Allerdings können auch neue Barrieren aufgebaut werden, die Menschen mit Behinderungen von den neuen Möglichkeiten ausschließen.

Was wünschen Sie sich von Herstellern und Programmierern künftig?
Dass sie das Grundprinzip des universellen Designs von vornherein beachten. Das fängt bei den ersten Schritten der Gestaltung von Produkten oder der Programmierung von Apps an und schließt Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer mit Behinderungen ein. „Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht“, das ist die Aussage vom Tim Cook, dem Chef von Apple. Diese Grundhaltung wünsche ich mir von jedem Unternehmen.

Welche Anreize sollte die Politik für Hersteller und Programmierer setzten?
Hier erwarte ich klare Rahmenbedingungen zur Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen, die niemanden ausgrenzen dürfen. Auf Ebene der Europäischen Union gibt es Ansätze dafür mit dem European Accessibility Act. Leider hat es die Bundesregierung in der vergangenen Wahlperiode versäumt, einen Diskriminierungsschutz auch für den Bereich private Unternehmen im Bundesbehindertengleichstellungsgesetz zu ergänzen. Gegenüber Ländern wie den USA, Frankreich oder Österreich, die schon seit Jahren und Jahrzehnten Regelungen in diesem Bereich haben, ist Deutschland hier im Rückstand. Für mich ist das nicht nachvollziehbar, auch weil barrierefreies Design für alle gut nutzbar und ein Gewinn ist. Und weil wir durch die UN-Behindertenrechtskonvention dafür einen politischen Auftrag haben.

Beim Bundes-Forschungsministerium gibt es ein Förderprogramm zur Inklusion in der beruflichen Bildung. Welche Programme gibt es bei Ihnen und welche würden Sie sich darüber hinaus wünschen?
Die Initiative des Bundesforschungsministeriums begrüße ich. In Rheinland-Pfalz kenne ich ein gutes Netz an Beratungsstellen für unterstützte Kommunikation. Auch bei meinen Besuchen in inklusiv arbeitenden Schulen merke ich, dass neue Medien für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülerinnen und Schülern verstärkt eingesetzt werden. Damit wird eine differenzierte und inklusive Unterrichtsgestaltung unterstützt. Hier kann ich mir eine stärkere Übertragung auf Qualifizierung, Ausbildung und Weiterbildung in den Betrieben gut vorstellen, um ein individualisiertes lebenslanges Lernen zu ermöglichen. Es ist ein wichtiger Baustein für die Gestaltung eines inklusiven Arbeitsmarktes.