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02.07.2020
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DAS THEMA WELTRAUMMÜLL HAT EINE GROSSE BRISANZ

Über Potenziale und Herausforderungen bei der kommerziellen Raumfahrt

Dr. Irena Bido - Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR)

Dr. Irena Bido - Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) [Quelle: DGLR]


"Die Aktivitäten, besonders im kommerziellen Sektor der Raumfahrt, nehmen zu", konstatiert Dr. Irena Bido von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR), und betont: "Das gilt auch für Deutschland." Deswegen hofft sie auf klare nationale Rahmenbedingungen und wünscht sich von der Bundesregierung auch Aktivitäten auf internationaler Ebene.


Die Bundesregierung will ein Weltraumgesetz in Angriff nehmen. Welchen Bedarf sehen Sie dafür?
Die Aktivitäten, besonders im kommerziellen Sektor der Raumfahrt, nehmen zu. Das gilt auch für Deutschland. Neue Akteure sind in Feldern unterwegs, für die es schlichtweg keinen Rechtsrahmen gibt. Daher soll ein nationales Weltraumgesetz, zusammen mit einem Datensicherheitsgesetz, einen Rechtsrahmen schaffen, der die privatwirtschaftlichen und kommerziellen Raumfahrtaktivitäten so unterstützt, dass sie wachsen können. Damit wird eine Rechts- aber auch eine Investitionssicherheit geschaffen. Es schafft die Voraussetzung, dass nicht-staatliche Akteure staatlicherseits lizensiert werden können; damit sind Versicherungs- und Haftungspflichten gesetzt. Sowohl in der Raumfahrtstrategie als auch im Koalitionsvertrag wird ein Weltraumgesetz genannt, das auf den Weg gebracht werden soll.

Für den Weltraum gibt es eine Reihe von internationalen Regeln – wie sollte sich ein deutsches Gesetz in diesen Rahmen einfügen?
1967 wurde der Weltraumvertrag aufgesetzt. Auch Deutschland ist hier in der Pflicht: Zum Beispiel müssen Weltraumgegenstände registriert werden, Tätigkeiten privatwirtschaftlicher Akteure im Weltraum uns der Himmelskörper unterliegen einer ständigen staatlichen Aufsicht, Haftungsfragen sollen rechtssicher geregelt werden.

Artikel I des Weltraumvertrags sieht vor, die Erforschung und Nutzung des Weltraums, Monds und anderer Himmelskörper zum Vorteil und im Interesse aller Länder zu gestalten; außerdem ist sie Sache der gesamten Menschheit. Allen Staaten steht es frei, den Weltraum gleichberechtigt und im Einklang mit dem Völkerrecht zu erforschen und zu nutzen. In Artikel II geht es um das Verbot der nationalen Aneignung durch Beanspruchung der Hoheitsgewalt, durch Benutzung, durch Besetzung oder durch andere Mittel. Es wäre wünschenswert, wenn dieser Rahmen im nationalen Weltraumgesetz Beachtung fände.

Nichtsdestoweniger ist es wichtig, gleichzeitig auch Einfluss auf die internationalen Regelungen, besonders denen zu Weltraummüll, zu nehmen. Hier wünschen wir uns von der Bundesregierung, dass sie sich im Sinne des Völkerrechts stark für verbindliche internationale Regelungen einsetzt.

Im Gespräch ist auch ein deutscher Weltraumbahnhof. Was halten Sie von dieser Idee?
Ein Thema, über das viel geredet wird, denn ein Startplatz in Deutschland ist für viele ein Renommee, das sehr erstrebenswert ist. Außerdem haben wir die Expertise im Bereich Satellitentechnologie und auch viele kleine und mittlere Unternehmen die innovativ, flexibel und offen sind für Konzepte kleinerer Satelliten. Dennoch: Bevor wir einen Startplatz in Deutschland propagieren, muss sehr genau untersucht werden, welche Möglichkeiten – und Örtlichkeiten – wir haben, welchen konkreten Nutzen ein solcher Startplatz bringt und mit welchen Kosten und Haftungen er verbunden ist.

Die Wirtschaft fordert eine kräftige Aufstockung der Investitionen in diesem Bereich. Wofür sollten zusätzliche Mittel aus Ihrer Sicht eingesetzt werden?
Die Forderung kann durchaus erhoben werden und hat auch ihre Berechtigung, wenn klar wird, was uns ein solcher Startplatz in Deutschland bringt. Deutschland verfügt über hoch interessante Technologien für neue und nachhaltige Konzepte im Satellitenbau und in anderen grundlegenden Raumfahrttechnologien. Aber: Das Thema Weltraummüll hat eine große Brisanz. Das wird auch entscheidend die Art und Weise beeinflussen, wie wir in Zukunft Raumfahrt nutzen. Werden mehr Satelliten gebaut und gestartet, ist es auch ein vordringliches Ziel, Weltraummüll zu vermeiden und zu entfernen. Hier muss investiert werden. Außerdem besitzt deutsche Robotik einiges an Potenzial in diesem zukünftigen Markt.