Menue-Button
Kolumne

Das Radio braucht auch weiterhin die Terrestrik

Broadcast vs. Broadband - BLM empfiehlt Multichannel-Strategie mit DAB+ Technische Kolumne von Reiner Müller, Bereichsleiter Technik der BLM

Reiner Müller, Bereichsleiter Technik der BLM Quelle: BLM Alexander Hiller Redakteur Meinungsbarometer.info 20.10.2014

Zu seinem 90. Geburtstag erfreut sich der Hörfunk in Bayern größter Beliebtheit. Mit einer leichten Zunahme der täglichen Hördauer auf 215 Minuten kann sich Radio als ältestes elektronisches Medium auch im Jahr 2014 erfolgreich gegen die Konkurrenz aus Internet und Fernsehen behaupten. Selbst das junge Publikum schätzt den Hörfunk als schnelles und zuverlässiges Medium, das jederzeit und überall verfügbar ist.

Für die Verbreitung und den Empfang von Radioprogrammen ist die terrestrische Verbreitung heute und auch künftig unabdingbar. Radio als Überall-Medium braucht terrestrische Infrastrukturen. Bei der terrestrischen Verbreitung von Radioprogrammen ist insbesondere der Long Tail von Programmangeboten zu berücksichtigen. Denn daraus ergibt sich die grundsätzliche Frage, inwieweit eine hohe bzw. eine geringe Nutzerdichte für das jeweilige Hörfunkangebot vorliegt. Eng damit verknüpft ist hierbei die Fragestellung: Welche terrestrische Übertragungstechnologie ist für den jeweiligen Programm- und Versorgungsauftrag aus technisch – wirtschaftlicher Sicht am besten geeignet. Dabei gilt es nicht zuletzt, den künftigen Infrastruktureinsatz hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit, wirtschaftlicher Tragfähigkeit, wie auch sozialer Verträglichkeit und politischer Umsetzbarkeit im Vorfeld sehr konkret und nachvollziehbar zu prüfen und für anstehende Entscheidungen zu bewerten. Die Landeszentrale hat daher gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk im März 2014 die Technische Universität München beauftragt, in einem Gutachten einen Kostenvergleich zwischen DAB+ und LTE zu ziehen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Radioversorgung mittels LTE ein Vielfaches der Kosten einer DAB+ Versorgung erzeugen würde.

Für eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung des Hörfunks in Bayern setzt die BLM daher auch aus diesem Grund gemeinsam mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den nächsten Jahren auf einen beschleunigten Migrationsprozess von UKW nach DAB+. Eine Zusatzversorgung für terrestrisches Radio via LTE ist dabei nicht ausgeschlossen. Vielmehr gilt der Blick verstärkt auch hybriden Empfangsmöglichkeiten. So sieht die BLM im Einsatz von hybriden Empfängern, beispielsweise durch den Einbau des Multinorm-Eurochips oder die Kombination von Rundfunksignalen und Internetinhalten mittels RadioDNS, eine große Chance für Anbieter und Nutzer von privatem Hörfunk für einen bruchfreien Übergang von analoger zu digitaler terrestrischer Radioübertragung. Für die Anbieter von Hörfunkangeboten empfiehlt die BLM für eine zukunftsfähige technische Verbreitung mehr denn je auf eine erfolgreiche Multi-Channel-Strategie zu bauen, die für die technische Versorgung bei hoher Nutzerdichte (Massenempfang) bewusst auf den Einsatz von Digitalradio mit DAB+ setzt, da es hierzu für die nächsten 15 Jahre bislang keine absehbare wirtschaftlich und technisch günstigere Alternative gibt. Nischenangebote, wie beispielsweise auch Subchannels, mit geringer Nutzerdichte können dagegen parallel oder auch nur via Internet wirtschaftlich sinnvoll verbreitet werden.

UNSER NEWSLETTER

Newsletter bestellen JETZT BESTELLEN

■■■ DIESE FACHDEBATTEN KÖNNTEN SIE AUCH INTERESSIEREN

Dipl.- Journ. Thomas Barthel

INITIATOR
Dipl.- Journ. Thomas Barthel
Founder & Herausgeber
Meinungsbarometer.info

Simone Ulrich

INITIATORIN
Simone Ulrich
Freie Journalistin
Meinungsbarometer.info

Dipl.- Journ. Nikola Marquardt

INITIATORIN
Dipl.- Journ. Nikola Marquardt
Founder & Herausgeberin
Meinungsbarometer.info

ÜBER UNSERE FACHDEBATTEN

Meinungsbarometer.info ist die Plattform für Fachdebatten in der digitalen Welt. Unsere Fachdebatten vernetzen Meinungen, Wissen & Köpfe und richten sich an Entscheider auf allen Fach- und Führungsebenen. Unsere Fachdebatten vereinen die hellsten Köpfe, die sich in herausragender Weise mit den drängendsten Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

überparteilich, branchenübergreifend, interdisziplinär

Unsere Fachdebatten fördern Wissensaustausch, Meinungsbildung sowie Entscheidungsfindung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Gesellschaft. Sie stehen für neue Erkenntnisse aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit unseren Fachdebatten wollen wir den respektvollen Austausch von Argumenten auf Augenhöhe ermöglichen - faktenbasiert, in gegenseitiger Wertschätzung und ohne Ausklammerung kontroverser Meinungen.

kompetent, konstruktiv, reichweitenstark

Bei uns debattieren Spitzenpolitiker aus ganz Europa, Führungskräfte der Wirtschaft, namhafte Wissenschaftler, Top-Entscheider der Medienbranche, Vordenker aus allen gesellschaftlichen Bereichen sowie internationale und nationale Fachjournalisten. Wir haben bereits mehr als 600 Fachdebatten mit über 20 Millionen Teilnahmen online abgewickelt.

nachhaltig und budgetschonend

Mit unseren Fachdebatten setzen wir auf Nachhaltigkeit. Unsere Fachdebatten schonen nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch das eigene Budget. Sie helfen, aufwendige Veranstaltungen und überflüssige Geschäftsreisen zu reduzieren – und trotzdem die angestrebten Kommunikationsziele zu erreichen.

mehr als nur ein Tweet

Unsere Fachdebatten sind mehr als nur ein flüchtiger Tweet, ein oberflächlicher Post oder ein eifriger Klick auf den Gefällt-mir-Button. Im Zeitalter von X (ehemals Twitter), Facebook & Co. und der zunehmenden Verkürzung, Verkümmerung und Verrohung von Sprache wollen wir ein Zeichen setzen für die Entwicklung einer neuen Debattenkultur im Internet. Wir wollen das gesamte Potential von Sprache nutzen, verständlich und respektvoll miteinander zu kommunizieren.