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12.12.2018
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BIS ZU 3000 EURO FÖRDERUNG FÜR E-LASTENRÄDER

Wie in Baden-Württemberg E-Bikes auf die Straße kommen

Franz Loogen, Geschäftsführer e-mobil BW GmbH Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-Württemberg

Franz Loogen, Geschäftsführer e-mobil BW GmbH Landesagentur für neue Mobilitätslösungen und Automotive Baden-Württemberg [Quelle: e-mobil BW/ KD BUSCH]


"Jede Autofahrt, die mit dem Fahrrad oder Pedelec ersetzt wird, entlastet die Umwelt und ist ein Gewinn für mehr Lebensqualität in den Städten", betont Franz Loogen, Geschäftsführer der e-mobil BW GmbH. Deswegen wird im Ländle viel für diese Form der Mobilität getan.


Experten schätzen, dass mittelfristig bis zu jedes zweite verkaufte Fahrrad ein E-Bike sein könnte – was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber und Bremsklötze für den E-Bike-Markt?
Immer mehr Menschen begeistern sich für das Fahrrad als nachhaltiges und modernes Verkehrsmittel oder als Sportgerät. Mit dem Pedelec existiert ein hoch attraktives, elektrisches Massenverkehrsmittel für viele Einsatzbereiche. Die Einsatzbereiche des Fahrrads vergrößern sich durch die elektrische Tretunterstützung. Ältere sowie mobilitätseingeschränkte Menschen erhalten durch die Nutzung eines elektrisch unterstützten Fahrrades die Chance, eigenständig mobil zu bleiben oder zu werden. Diese Entwicklung schlägt sich nicht nur in den Verkaufszahlen nieder sondern erfreulicherweise auch im Straßenbild. Dabei wächst der Anteil der elektrischen Fahrzeuge immer weiter. Das Fahrrad, Pedelec oder E-Bike ist nicht nur eine gesunde Art der Fortbewegung, sondern es vermeidet auch viele Schadstoffe und klimawirksame Emissionen, insbesondere wenn eine PKW-Fahrt ersetzt wird. Mit dem technischen Fortschritt bei Motoren und Getrieben, Batterien und Rahmenkonstruktionen wurde von den Herstellern und Anbietern eine heute große Varianz von Modellen auf den Markt gebracht. Pedelecs sind heute technisch ausgereift, zuverlässig und für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. In den nächsten Jahren sind weitere Entwicklungen, wie Batterien mit mehr Kapazität für mehr Laufleistung oder Motoren mit mehr Drehmoment für den noch sportlicheren Antrieb zu erwarten.

Welche Ladeinfrastruktur wird nötig, wenn mehr E-Bikes längere Strecken fahren und unterwegs nachgeladen werden müssen?
Heute verfügbare Akkukapazitäten von 500Wh und mehr ermöglichen bereits Laufleistungen, die fast alle Ansprüche an Tagestouren erfüllen. Die konkrete Laufleistung hängt natürlich stark von der gewählten Motorunterstützung und der Geländetopografie ab. In vielen Fällen sind bereits mehr als 100 km Laufleistung möglich. Zukünftige Akkukapazitäten werden bei sinkenden Kosten über den heutigen Stand hinausgehen. Daher wird der Bedarf an einer zusätzlichen Ladung über Tag meistens nicht sehr hoch sein. Die Ladegeräte der Pedelecs sind zudem meist klein genug, um sie zu transportieren, und werden netzseitig in eine einfache Schuko-Steckdose eingesteckt. Noch schöner wäre es aber, wenn gerade für Zwischenladungen auf langen Strecken einerseits die Ladezeiten kürzer wären und an halböffentlichen Standorten, z.B. der Gastronomie, Hotels, Geschäften ein passendes und viel größeres Angebot an Steckdosen verfügbar wäre. Ein Hindernis ist teilweise, dass diebstahl- und vandalismussichere Abstellmöglichkeiten bzw. Räume für die wertvollen Räder und Ladesysteme noch nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Bspw. Fahrradstationen oder abschließbare Fahrradboxen an Bahnhöfen und Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs sowie in den Innenstädten müssen weiter ausgebaut werden.

Mit speziellen Ausführungen wie Lasten-E-Bikes erweitern sich die Einsatzmöglichkeiten, so dass einige Experten das E-Bike schon als Konkurrenz zum Auto sehen. Wie sehen Sie das?
Lastenräder mit elektrischer Unterstützung kommen immer mehr als Familienfahrzeug und in vielen Wirtschaftsbranchen zum Einsatz. Mit einem Elektro-Lastenrad können schwere oder unhandliche Gegenstände schnell, kostengünstig und umweltfreundlich transportiert werden. Jede Autofahrt, die mit dem Fahrrad oder Pedelec ersetzt wird, entlastet die Umwelt und ist ein Gewinn für mehr Lebensqualität in den Städten. Lasten-e-Bikes werden heute bereits vermehrt auch professionell auf der sogenannten letzten Meile des Logistikweges eingesetzt. Das führt regional zu einer wirksamen Entlastung im dichten Kurzstreckenverkehr. Das Land Baden-Württemberg fördert daher die Anschaffung von E-Lastenrädern für den gewerblichen, gemeinnützigen oder gemeinschaftlichen und kommunalen Einsatz mit bis zu 3.000 Euro je E-Lastenrad. Neben dieser verkehrlichen Wirkung darf aber auch die soziale Komponente nicht an Betrachtung verlieren. Die professionellen Radfahrer und Boten sollten immer auch eine gesetzeskonforme Entlohnung sowie optimale Arbeitsbedingungen erhalten. Hohe soziale Ansprüche sollten auch bei der Beauftragung von selbständigen Rad-Lastenkurieren gelten. In der wachsenden Plattformökonomie wird die Kundenschnittstelle oft virtuell als App dargestellt. Der eigentliche Transport fällt teilweise in der Wahrnehmung und marktwirtschaftlichen Wertigkeit dahinter zurück.

In einigen Regionen wird bereits darüber diskutiert, ob die vergleichsweise schnellen E-Bikes auf den Radweg gehören oder gar eigene Spuren brauchen. Inwieweit muss sich die Infrastruktur langfristig dem E-Bike-Trend anpassen?
Viele Radverkehrsanlagen sind heute noch nicht auf das Radfahren mit höherer Durchschnittsgeschwindigkeit ausgelegt, wie es Pedelecs ermöglichen. Für die Planung von sicheren Radverkehrsanlagen gibt es einen weitreichenden Erkenntnisstand aus Forschung und Praxis. Radverkehrsanlagen, die gemäß dem Stand der Technik geplant und gebaut werden, sind bereits heute auch für die Nutzung mit Pedelecs geeignet. Bei den schnellen S-Pedelecs ist die Situation eine andere. Bei den S-Pedelecs wird die Unterstützung des Hilfsmotors erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h abgeschaltet. Sie sind rechtlich als Kleinkraftrad einzustufen. S-Pedelecs müssen auf der Fahrbahn fahren. Auf Radwegen dürfen S-Pedelecs in Baden-Württemberg dann fahren, wenn sie mit dem Zusatzzeichen „S-Pedelecs frei“ für die Nutzung freigegeben sind. Die Prüfung, ob die Benutzung eines Radweges durch S-Pedelecs in Frage kommt, erfolgt durch die vor Ort zuständige Verkehrsbehörde. Unter anderem sind die Verkehrsstärken, die Verkehrszusammensetzung und die Geschwindigkeitsniveaus der unterschiedlichen Verkehrsarten, die verfügbare Breite der Verkehrsfläche, usw. für die Beurteilung relevant.