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Interview11.12.2019

Billiger, einfacher und niedrigschwelliger kann es kaum werden

Was auf dem digitalen Musikmarkt aber noch passieren muss

Anne Haffmans Head of Domino Germany Quelle: Domino Anne Haffmans Head of Domino Germany
INITIATOR DIESER FACHDEBATTE
Uwe Schimunek
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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"Dass Musikhörer/innen auch heute in Zeiten eines umfassenden digitalen Angebots mit kostenlosen werbefinanzierten Angeboten immer noch illegal Musik hören, finde ich skurril", sagt Anne Haffmans, Head of Domino Germany. Anne Haffmans arbeitet seit mehr als zwei Jahrzehnten im Musikbusiness und hat bei den international renommierten Labels Mute, Virgin und EMI gearbeitet. Heute ist sie Chefin der deutschen Dependance von Domino Records.





Nach einer aktuellen Untersuchung nutzen immer weniger junge Leute illegale Inhalte aus dem Internet – zugleich sind es europaweit immer noch sehr viele. Wie bewerten Sie das?
Auch als Musikhörer/innen noch nicht „user" hießen, gab es einen großen Teil derer, die ihre Musik illegal konsumiert haben (Stickwort überspielte Kassetten oder gebrannte CDs). Dass Musikhörer/innen auch heute in Zeiten eines umfassenden digitalen Angebots mit kostenlosen werbefinanzierten Angeboten immer noch illegal Musik hören, finde ich skurril. Ich vermute das liegt vor allem daran, dass es keine breite gesellschaftliche Aufklärung über Urheberrechte gibt und dass, wenn die Debatte geführt wird, so wie um die Novellierung der EU Richtlinie, sie breitenwirksam von Stakeholdern gekapert wird, die sich weigern, das Musikangebot auf ihren Plattformen angemessen zu lizenzieren.  

Vor allem Preis, Sicherheit und Qualität legaler Angebote überzeugen deren Nutzer – welche Modelle könnten die restlichen Nutzer eventuell überzeugen?
Mir fällt keines ein. Billiger, einfacher und niedrigschwelliger kann es kaum werden.  

Viele Musiker beklagen, dass die Streaming-Plattformen ihnen zu wenig Einnahmen generieren. Inwieweit lassen sich die Interessen der Nutzer und Urheber überhaupt zusammenbringen? 
Das ist eine sehr komplizierte Frage und ich kann nicht ansatzweise eine Antwort geben, die der Komplexität der Realität der Abrechnungsmodelle von Streamingdiensten gerecht wird. Meiner Meinung nach befindet sich der Streamingmarkt immer noch im Aufbau und erst wenn sich Streaming als Musiknutzungsmethode noch weiter etabliert, kann man auch eine Preisdiskussion führen und Abrechnungsmodelle optimieren, so dass dann auch mehr Künstler tatsächlich von ihren Streamingeinnahmen leben können - dies wird allerdings nicht der Großteil der Künstler sein, das war aber auch schon vor den Streamingservices so.

Der Dienst Deezer hat angekündigt, (zunächst in Frankreich) die Abrechnung auf ein nutzerbasiertes Modell umzustellen, bei dem die Erlöse an die vom Nutzer die gehörten Künstler ausgeschüttet werden. Wie finden Sie das? 
Die Idee ist toll und ich wünschte mir sehr, dass sie durchsetzbar wäre. Als intensiver Streamingplattformnutzer wäre mir persönlich sehr daran gelegen, dass meine Abogebühr auch nur an die Künstler ausgeschüttet wird, die ich höre. Ob sich dafür eine Mehrheit unter den Rechteigentümern finden lässt, weiß ich nicht. Solange sich die Majors nur noch um ihr Trackbusiness kümmern und scheinbar kein Interesse haben, Künstler und deren Kataloge aufzubauen, mit denen sie auch mittel- und langfristig Geld verdienen können, scheint mir das sehr fraglich. Aber die Idee ist durchaus verfolgenswert und ist meiner Meinung nach auch ein sehr starkes Verkaufsargument für Streamingdiesntleister, die so abrechnen. Für Label, wie das für das ich arbeite, mit ein paar wenigen Top-Streamern und einem sehr großen Long-tail-Katalog wäre das wirtschaftlich ein großer Gewinn, sowohl für uns als Label als auch für die Einkommen unserer Künstler.  

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