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Interview12.05.2022

Bauen muss nachhaltiger werden

Wie BIM hilft, alle Prozesse der Bau-Wertschöpfungskette neu auszurichten

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen Quelle: MHKBG NRW/A. Helber Ina Scharrenbach Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung Landesregierung Nordrhein-Westfalen
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Uwe Rempe
Freier Journalist
Meinungsbarometer.info
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Mit dem BIM-basierten Bauen können nach Meinung von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, jede Menge Effizienzgewinne erreicht werden. "Den größten Hebel sehen wir jedoch in der Gebäudebewirtschaftung."





Kann nach Ihren Erfahrungen das Building Information Modeling (BIM) die in es gesetzten hohen Erwartungen erfüllen?
Definitiv ja! „BIM ist win“, dem braucht man nicht viel hinzuzufügen. Wir wollen schneller und günstiger werden beim Bauen, dabei hilft BIM. Die Managementprozesse beim Planen, Bauen und Betreiben rücken näher in den Fokus. Der Gebäudebetrieb wird nicht mehr solitär gedacht. Er findet zunehmend Berücksichtigung bereits in der Planungsphase. Die Projektbeteiligten arbeiten enger miteinander. Die Kommunikation zwischen den beteiligten Parteien wird gestärkt. Damit werden Ziele klar kommuniziert und Missverständnisse vermieden. Die allgemeine Stimmung unter den Nutzerinnen und Nutzern ist ganz klar für BIM.

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Können mit dem BIM-basierten Bauen relevant Kosten gespart werden?
Mit BIM-basierten Bauen können nicht nur Investitionskosten, sondern vor allem Betriebskosten eingespart werden. Künftig wird es möglich sein, in jeder Lebenszyklusphase eines Bauwerks Kostenersparnisse zu generieren. Führt man bei der Planung eine Kollisionsprüfung durch, wird schnell klar, dass mögliche Planungsfehler vorab digital geheilt werden können, die sonst erst auf der Baustelle aufgefallen wären und mit hohem Aufwand beseitigt werden müssten. BIM hilft ganz klar bei Fehlervermeidung. Mit BIM können wir beispielsweise in der Planung diverse Simulationen durchführen, z. B. mit dem Ziel der Ermittlung der wirtschaftlichsten Tragwerksvariante. Den größten Hebel sehen wir jedoch in der Gebäudebewirtschaftung. Die Betriebskosten eines Gebäudes überschreiten um ein Vielfaches dessen Investitionskosten. BIM wird dabei helfen, Prozesse im Betrieb und der Instandsetzung von Gebäuden zu optimieren. Ziel wird dabei ein wirtschaftlicher und nachhaltiger Gebäudebetrieb sein.

Inwieweit ist das Bauen mit BIM generell umweltfreundlicher als das konventionelle?
Wir stehen vor großen Herausforderungen und Umbrüchen im Bauwesen. Das Bauen muss nachhaltiger werden. Auch die Baubranche leistet ihren Beitrag dazu, die Klimaschutzziele zu erreichen. Deshalb müssen wir die aktuellen Megatrends Klimaneutralität und Digitalisierung gemeinsam denken. 2 BIM hilft dabei, die Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette-Bau neu auszurichten. Hier sind viele Stellschrauben, die es ermöglichen, Treibhausgasemissionen zu senken, sei es bei den Produktionsprozessen, Transportwegen oder Verbräuchen. BIM ist dabei ein hilfreiches Werkzeug. Wir haben den Verbrauch von Baustoffen und Baumaterialien reduzieren. Mit innovativen Bauverfahren, wie dem 3D-Druck, sorgen wir dafür, dass nur so viel Baumaterial verarbeitet wird, wie auch benötigt wird. BIM liefert dafür die genauen Angaben und Mengen. Das BIM-Modell verfügt über eine Vielfalt und Vielzahl von Informationen. Dies ermöglicht es uns, Ökobilanzierungen durchzuführen oder künftig unsere Gebäude als Ressourcenlager zu nutzen. BIM unterstützt ganz klar den Weg der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zur Kreislaufwirtschaft.

Welche Hindernisse stehen BIM noch im Wege und an welchen Stellschrauben müssen die Akteure auf allen Ebenen noch drehen?
BIM wird aktuell an vielen Stellen stark vorangetrieben, wie bei uns in Nordrhein-Westfalen. Unsere öffentlichen Bauherren stellen sich nach und nach auf und entwickeln ihre internen BIM-Strategien oder führen Pilotprojekte durch. Natürlich fallen dabei Anschaffungs- und Personalkosten an. Hier gibt es entsprechende Förderprogramme und Unterstützung. Wir fördern Forschungsprojekte, stellen Informationsmaterial bereit und bieten Weiterbildungsangebote an. Viele Bundesländer orientieren sich an Nordrhein-Westfalen oder an den Angeboten des Bundes. Die Aufgabe wird es sein, diese Aktivitäten und Ergebnisse aufeinander abzustimmen, um damit gleiche Standards für alle zu schaffen. Und da wären noch die Schnittstellen, wie IFC, die bereits gut funktionieren, jedoch immer weiterentwickelt werden. Ziel ist es hier, eine möglichst hohe Fehlerfreiheit zu gewährleisten, damit der Open-BIM-Standard flächendeckend genutzt werden kann. Und immer noch sorgt die gute Konjunktur dafür, dass viele Unternehmen den Bedarf noch nicht sehen, BIM einzuführen. Nur: Wer immer Vollgas fährt, hat den Tank schnell leer. Mit der steigenden Nachfrage seitens der öffentlichen Auftraggeber wird sich dieses Phänomen jedoch mittel- bis langfristig verflüchtigen.

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