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19.10.2019
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APR FORDERT KLARE REGELN FÜR SMART SPEAKER

Wie Radiomarken vom Audio-Boom profitieren

Olaf Hopp - Vorsitzender APR und CEO NRJ Germany

Olaf Hopp - Vorsitzender APR und CEO NRJ Germany [Quelle: ENERGY]


"Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, aus den klassischen Mustern der Radionutzung auszubrechen", betont APR-Vorsitzender Olaf Hopp. Der Top-Radiomanager sieht die Radio-Branche mit innovativen Angeboten gut darauf eingestellt.


Nach dem aktuellen Online-Audio-Monitor wird Radio immer öfter online über das Smartphone (unterwegs) gehört. Vor welche Herausforderungen stellt das die vornehmlich regional aufgestellte Radio-Branche in Deutschland?
Radio unterwegs auf dem Smartphone ist eher eine Chance und weniger eine Herausforderung. Zum Beispiel sind wir über den Radioplayer in vielen Mobilfunktarifen empfangbar, ohne dass die Radionutzung auf das Datenvolumen angerechnet wird. Gerade die regional aufgestellte Radio-Branche profitiert, denn jeder kann seinen Lieblingssender auch außerhalb des eigentlichen terrestrischen Sendegebietes hören.

Online wird Audio vor allem am frühen Abend genutzt. Wie erklären Sie sich den Unterschied zum klassischen Radio mit seiner Prime Time am Morgen?
Radio kills the video star. Zumindest führen die stark gewachsenen Möglichkeiten der zeitversetzten Nutzung von Medien dazu, dass Audioangebote zunehmend auch am Abend genutzt werden, wenn sie auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten sind. Die Digitalisierung bietet die Möglichkeit, aus den klassischen Mustern der Radionutzung auszubrechen. Mit innovativen Angeboten reagiert die Radio-Branche kontinuierlich und gut darauf.

Vor allem für jüngere Zielgruppen spielen Streamingdienste eine immer größere Rolle. Welche mittel- und langfristige Zukunft hat das lineare Radio angesichts dessen?
Streamingdienste sind etwas anderes als Radio – das ist die Primärvermarktung von Musik anstelle von physischen Tonträgern wie früher Kassette oder CD und später mp3 oder Musikdownload. Radio ist ein Tagesbegleitmedium, es beinhaltet zwar reichlich Musik, aber es unterscheidet sich von Streaming-Angeboten durch seine sonstigen Inhalte. Die Frage, ob das Radio mittel- und langfristig eine Zukunft angesichts der Musikverwertung hat, stellt sich nicht. Auch die Möglichkeit, Musik durch die bisherigen Vertriebswege zu kaufen und zu konsumieren, hat nie dazu geführt, dass die Menschen die Lust an einem kuratierten Programm-Mix, wie ihn nur das Radio bietet, verloren haben.

Eine starke Zunahme verzeichnet auch die Nutzung auf Smart Speakern. Was bedeutet das für die Branche?
Zunächst kann man feststellen, dass diese Zunahme den gerade erlebten Audio-Boom unterstützt, wovon auch die klassischen Radiosender profitieren. Wer einen Smart Speaker zu Hause hat, nutzt mehr Audioangebote als zuvor und hört darüber bevorzugt typische Radioinhalte. Der „Audio-Brand“ der Radiomarken ist gelernt und die Sender können durch eigene Skills und mit der eigenen Station Voice, die durch das Angebot führt, diesen Brand nochmals unterstützen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass im neuen Medienstaatsvertrag, klare und umfassende Regelungen zu den Themen "diskriminierungsfreier Zugang" und "gleichberechtigte Auffindbarkeit" aller Audioprodukte formuliert werden.